Samstag, 29. April 2017

Frank Ziegler Miniaturen - Die bessere Ultima Ratio

Kommt Leute, seid ehrlich. Der klassische 1/72 Sammler ist und bleibt ein Sparbrötchen. Er ist geizig; er selbst würde es preisbewusst nennen.
Ich meine jetzt nicht die Sammler, die den 1/72 Maßstab zu dem EINZIGEN Maßstab erklärt haben. Diese Sammlergruppe hat sich ja spezialisiert, und da gelten andere Regeln.
Hier ist man im Gegenteil dazu bereit sehr viel für dieses Hobby auszugeben. Denn die Schaffung einzigartiger Dioramen ist halt auch nur möglich, wenn man bereit ist etwas zu investieren. Sponsoren gibt es da nur sehr selten.
Die 1/72 Sammler, von denen ich eher spreche, sind die, die aus der Plastikecke kommen, und sich häufig ihre Interessengebiete über Neuerscheinungen eben aus dieser Plastikecke erschließen.
So wie ich selbst.
Man war es halt in den guten alten Zeiten der 80er 90er Jahre einfach gewohnt, 50 Figuren für weniger als 10 DM zu bekommen. So etwas prägt.
Na und bei den Preisen konnte man auch immer wieder neuen Epochen und Themen eine Chance geben. War ja billig.
Einige Sammler waren schon damals bereit in Spezialsets zu investieren. Nicht zuletzt deshalb war die DuZi, die Duisburger Zinnfigurenbörse, so erfolgreich, weil eben hier diverse Spezialanbieter Ihre Ergänzungen in Zinn anboten, und man sich als Sammler aufs Belieben eindecken konnte.
In den meisten Fällen blieb es allerdings bei diesen Ergänzungen. Die wenigsten – auch wenn ich einige Personen persönlich kenne, die zu dieser Gruppe nicht gehören – haben sich ganze Armeen in Zinn geleistet. Die meisten wollten einfach nur bestehende Plastiksets ergänzen. Diese etwas aufhübschen. Die einen mehr, die anderen weniger.
Aus diesem Grund ist dann auch keiner der Spezialanbieter reich geworden. Richtig geniale Modelleure und Produzenten betrieben und betreiben das Hobby nebenberuflich, weil ein kompletter Broterwerb damit gar nicht möglich wäre.
Massenverkauf??? Pustekuchen.
Das beste was einem Kleinanbieter da passieren konnte, wenn flankierende Plastiksets neu erschienen, die dann Bedarf weckten.
Nur mal ein Beispiel: Das Revell Set der britischen Waterloo Infanterie  hatte nur einen Fahnenträger. Ein Unding würde der Spezialist ausrufen.
Vive L’Empereur, schmettert der Franzosenfreund, weil er einfach davon ausgeht, dass eine der Fahnen bereits erobert wurde, wie sich das ja auch gehört.
Vive L’Empereur.
Back to topic.
Na jedenfalls fehlte da ein Fahnenträger zogen doch die Briten mit zwei Fahnen in die Schlacht. Wer kann, der kann, bzw. wer häufig eine verliert, der hat dann ja noch eine....
Vive L’Empereur.
Wollte man jetzt aus dem Packungsinhalt vielleicht sogar zwei Einheiten basteln, fehlten direkt mal drei Figuren. Zum Glück bot bereits damals Jörg Schmäling Fahnenträger aus Zinn an, und man konnte seine Revell Plastikeinheiten sinnvoll ergänzen.
An diesem Beispiel sei nur einmal erklärt, wie Kleinhersteller den Markt komplettieren können, wenn ein bestehendes Set offensichtliche Lücken aufweist.
Geht es aber auch andersrum? Was ist, wenn zuerst die Zinnserie da war, aber kein Plastik?
Ich möchte da ein Beispiel geben, und ich hoffe, dass bei den vorgestellten Figuren eben dieser umgekehrte Effekt jetzt eintreten wird.
Der von mir hochgeschätzte Modelleur Frank Ziegler hat eine wunderbare Reihe spätmittelalterlicher, frühneuzeitlicher Miniaturen auf den Markt gebracht. Diese Figuren sind perfekt und historisch genauestens recherchiert. Frank, ein gelernter Archäologe und Historiker modelliert halt nicht so vor sich her und macht da irgendwas, nein, er beschäftigt sich erst einmal mit einer Epoche, und zwar sehr detailliert.
Die Figuren sind bestellbar über Hagen Miniatures (Bilder aus dem Shop von Hagen-Miniatures):




Ich kann mich noch genau an einen Vortrag auf einem Sympi erinnern, wo Frank sich mit den spätmittelalterlichen Harnischen beschäftigte.
Nach einer knappen Stunde dachte ich, bitte Frank, schreib ein Buch. Das ist alles viel zu detailliert für einen simplen Vortrag. Das kann man gar nicht alles fassen.
Neben irgendwelchen ausgewiesenen Spezialisten, die nach meiner Meinung irgendwo in Museen arbeiten, die große Sammlungen von Rüstungen und Rüstzeug verwalten, ist Frank wohl einer der Wenigen, ich will jetzt nicht sagen der Einzige, aber gefühlt ist es halt so, dem man einen Haufen Blech hinlegt, den kein normaler Mensch unterscheiden kann, na und was passiert?
Er streicht sich über seinen Bart setzt diesen Blick auf, und blubbert schon los.
„Ja; das ist eindeutig savoyardisch („Aha! Hätte ich auch gedacht.“, denkst Du). Sieht man ja. („Klar doch!!!!“, denkst Du) Das erkennt man dort an den Kannelüren („An den was???“, denkst Du), und das Blech ist auch eindeutig so getrieben. Na und irgendwo ist doch auch sicher,  ah, da ist er ja, der Stempel („Was für ein Stempel??“, denkst Du). Guck mal Koppi.“
So müsst Ihr Euch das vorstellen.
Frank wäre definitiv im Mittelalter Schmied geworden und er hätte auch irgend so ein Excaliburschwert geschmiedet, weil er eine ganz spezielle Legierung entdeckt hätte.
Ja, das traue ich ihm zu.
Er hat den Schwarzen Gürtel in Harnischkunde; und nicht nur da.


Besagter Frank Ziegler hatte sich irgendwann in die Harnische dieser Zeit so richtig reingekniet, sie lieben gelernt und wurde Spezialist. Diese Erkenntnisse in einer eigenen Figurenreihe zu materialisieren, war der logische Schritt, wenn man denn modellieren kann.
Die Entwicklung der ersten Figurenreihen konnte ich sogar live auf dem Sympi mitverfolgen, weil Frank natürlich auch hier immer eifrig am Modellieren war.
Die von Frank vertriebene Figurenreihe ist mittlerweile schon recht imposant. Neben gerüsteten Truppen gibt es natürlich auch normale Spießer und Fußkämpfer. Das gesamte Potpourri einer Armee des Spätmittelalters bzw. der beginnenden Neuzeit. Die Übergänge sind hier ja fließend.




Dummerweise gab es bisher noch kein vernünftiges Plastikset in 1/72, das diese Epoche in diesem Sammlergebiet nach vorne treiben könnte. Es gibt zwar von Miniart Schweizer des 15. Jahrhunderts, die allerdings doch nicht vernünftig verwendet werden können, weil die Lanzen nicht ausmodelliert wurden. Ohne Verkaufszahlen zu haben, so denke ich, war das doch von vornherein der Tod für dieses Set. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in Massen verkauft wurde.


In 28 mm haben ja die Perries ihre Reihe der Rosenkriege für diesen historischen Zeitraum aufgelegt, die sich ja auch entsprechend gut verkauft. Nicht nur, dass sie für historische Settings verwendet wird. Nein. Diese Figurenreihe ist ja auch die Basis der meisten Game of Thrones Wargaming Armeen.



Jetzt hat allerdings für den 1/72 Bereich eine Firma sich des Themas angenommen.
ENDLICH, möchte man fast sagen.
Ultima Ratio schimpft sie sich, na und die bringen doch tatsächlich Schweizer für das späte 15. Jahrhundert raus. Sie sollen dann, laut Verpackung, sogar explizit Kantonisten aus Bern bzw. Uri darstellen, wobei die Figuren natürlich auch generisch eingesetzt werden können.  Die Fahnenträger haben aber die Wappen der beiden Kantone fest eingraviert.



Hier einmal Bilder der Figuren von der PSR Seite.







Schaut man sich die Miniaturen genauer an, so kommen einem schon manche Posen ziemlich bekannt vor. Sie orientieren sich tatsächlich an Bildern dieser Zeit.

(Chronik Luzern. Im Bild erkennt man auch die Hornbläser, einer auch in dem "Kuhkostüm". Die Darstellung von Ultima Ratio mittels dieser Figur Hornbläser und Fahnenträger zu kombinieren, ist falsch. Fahnenträger waren in dieser Epoche immer gerüstet. Die Fahne war zu wichtig).

Interessant finde ich die eine Figur mit dem Fangeisen (zweite Figur erstes Bild). Die scheint mir gerade aus einem Funken Band entsprungen zu sein. Solche Fangeisen wurden genutzt, um einen Ritter am Hals einzuhaken und ihn vom Pferd zu ziehen. Brach er sich dabei nicht das Genick, was man hoffte, aber was wohl nicht immer zu verhindern war, hatte man einen Gefangenen, für den man wunderbar Lösegeld erpressen konnte.
Drei identische Figuren braucht man hier zwar nicht, aber dennoch finde ich es generell gut, dass die Figur vorkommt.
Die Hellebardiere in den Sets sind durchaus nutzbar, was ich von dem vorlaufenden Armbrustschützen jetzt nicht unbedingt sagen kann.
Der Schütze mit der Hakenbüchse macht hingegen einen guten Eindruck.
Diese Sets können dann jetzt schon mal den Plastikgrundstock für eine größere Truppe darstellen und wunderbar mit den Figuren von Frank Ziegler ergänzt bzw. aufgestockt werden.
Wer sich bisher scheute eine komplette Zinnarmee in 1/72 für diese Epoche aufzustellen, hat nun doch die Möglichkeit erst einmal mit Plastik einzusteigen, und kann dann diese Sets mit Einzelminiaturen aus Franks Serie pimpen.
Es ist definitiv so, dass die Miniaturen von Frank Zieger die EIGENTLICHE ULTIMA RATIO für diese Epoche darstellen.
Gar keine Frage.
Aber ... man kennt ja die Sammlerszene. Das „Billige“ wird da für einen Schub sorgen.
Nichtsdestotrotz wird vielleicht eine Regel aus der Biologie helfen:
Symbiose heisst das Zauberwort: Zusammenleben zweier Organismen zum gegenseitigen Nutzen. So hat man das mal im Biologieunterricht gelernt. Warum nicht auch hier?
Ich denke, dass sich beide Hersteller wunderbar ergänzen können, und ich hoffe, dass man dann in Zukunft ein paar Eidgenossen gegen Burgund ziehen sehen wird.
Ich selbst überlege dann jetzt auch schon mal, ob man da nicht eine kleine DBA Truppe aufstellen kann.
Als Gegner bieten sich da ja immer noch die Ritter aus der Zvezda Box Französische Ritter 15. Jahrhunderts an.

Deren Fußtruppen kann man ja auch mit Minis von Frank darstellen.
WIR können das, wenn auch Frank dann sicherlich anmerken würde, dass der ein oder andere Harnisch doch gar nicht in diese burgundische Truppe passt. Warum? Haben sie nicht aufmerksam gelesen?? Na, weil der Harnisch doch eindeutig savoyardisch ist. Savoyardisch, nicht burgundisch!!!!! Compris?
Frank; sei uns gnädig. Wir machen das für uns passend.
Ich hoffe, dass dieser kleine Bericht für Euch eine Anregung bringen konnte, sich erneut mit dem 1/72 Maßstab auseinanderzusetzen. Die Serie von Frank kombiniert mit den Neuerscheinungen von Ultima Ratio bieten tatsächlich auch Möglichkeiten für den Wargamingbereich, bekommt man doch so vergleichsweise kostengünstige Armeen aufgestellt, was einigen Wargamern sicherlich gefallen wird.
Hinzu kommt, dass nicht jedem aus dieser Szene diese Miniaturenreihen überhaupt bekannt sind.
Ich hoffe, dass mein Bericht die Miniaturen etwas bekannter macht, vor allem die Minis von Frank, denn die sind historisch schon sehr, sehr korrekt, und verdienen allein deshalb Beachtung.



Come on people, be honest. The classic 1/72 collector is stingy. He himself would call it price-conscious.
Not the specialists, we all know personally.
They, on the contrary, are willing to spend a lot of money and time on this hobby. The creation of unique dioramas is just possible, if one is willing to invest something. There are very few sponsors. Sadly, but true.
The 1/72 collectors, I’m talking about, are the plastic collectors. Fans of the Plasticsodierreview webpage.
Like myself.
In the good old times of the 80s 90s you get 50 figures for less than 10 DM. Something like that.
And so with such cheap prices one could always give new epochs and topics a chance. It was really a cheap hobby.
Some collectors were already ready to invest in special sets. Not least, the Duzi, the Duisburger tin figuress fair, was so successful in Germany, because various smaller hobby companies offered their supplements in tin, and you can cought so much nice stuff.
But most customers wanted new plastic sets. Not big armies in tin.
For this reason, neither of the special providers has become rich. Mass sales? Never.
The best thing that could happen to a retailer when flanking plastic sets appeared new on the market, which then aroused demand.
Just one example: The Revell set of the British Waterloo infantry had only one flag bearer.
In any case, one flag bearer was missing, because the British had two flags per battalion.
Who often loses one, has then still a .... ;-)))
Vive L'Empereur.
If you wanted to make two units from the contents of the package, there were three missing figures. Luckily, Jörg Schmäling already offered flagbeares in tin, and so you had the opportunity to complete the plastic sets.
This example shows how smaller hobby companies can complete the market if an existing plastic set has obvious gaps.
But. What if the tin series was first, but no plastic set was available?
I would like to give an example here, and I hope that the reversed effect will now occur for the figures I will show you.
Frank Ziegler, who is highly esteemed by me, has launched a wonderful series of late medieval, early renaissance miniatures on the market. These figures are perfect and well researched. Frank, a learned archaeologist  first deals with an epoch in detail, and than he modelled his figures.
I can still recall a lecture at a Symposion, where Frank was concerned with the late medieval armor.
After an hour or so I thought, please Frank, write a book. This is all too detailed for a simple lecture. This can not be understood by normal people.
In addition to some well-known specialists who, according to my opinion, work somewhere in museums that manage large collections of armor, Frank is probably one of the few -I do not want to say now the only one – who see a bunch of metal and than …?
He stroked his beard, opened his eyes and bounced.
"Yes; That is clearly savoyard ("Aha, I had also thought.", You think). You see, yes. ("Sure," you think) You can recognize this shallow grooves  ("The what?", You think), and the forging is exactly. Well and somewhere is also sure, ah, there it is, the stamp ("Which stamp?", You think). Look at it Koppi. "
So you have to imagine that.
Frank would definitely have been blacksmith in the Middle Ages and he would have forged an Excalibur sword because he'd discovered a very special allov.
Yes, I trust him. He has the Black Belt in armory. And not just there.
I was able to follow the development of the first series of figures live on the Symposion.
The series of figures marketed by Frank is now quite impressive. In addition to armed troops there are, of course, normal men at arms and bowmen. The entire potpourri of an army of the Late Middle Ages resp. early Renaissance.
Unfortunately, there was not yet a reasonable plastic set in 1/72, which could drive this epoch forward to the collector. The Miniart set of Swiss troops of the 15th century, was one of the flop sets in the hobby.
In 28 mm, the Perries have set up their War of the Roses series for that historical period, which also sells accordingly well. Not only is it used for historical settings. No. This series of figures is also the basis of most Game of Thrones wargaming armies.
Now, however, a company has adopted the theme for the 1/72 sector. FINALLY, you would almost say.
Ultima Ratio is the name of the company,  and they really bring out Swiss for the late 15th century. They are, according to the packaging, even explicitly represent cantonists from Berne and Uri, although the figures can of course also be used generically. The flags, however, have firmly engraved the arms of the two cantons.
Here is a picture of the characters from the PSR side.
If you look at the miniatures more precisely, some poses are quite familiar. They actually orient themselves on images of this time.
The one figure with the „catcher“ is very interesting. Such weapons were used to hook a knight at the neck and pull him off the horse. If he did not broke his neck, he was a prisoner, for whom one could extort wonderful ransom.
The halberdiers in the sets are quite usable, which I can not say of the advacing figure with the crossbow.
The shooter with the early rifle makes also a good impression.
These sets can now be the plastic base for a larger army and you can enlarge and supplement your force perfectly with the figures of Frank Ziegler.
Surely. Frank Zieglers miniatures ARE the better ULTIMA RATIO for the epoch. But I know many collectors, and I think they will give the cheaper opportunity a chance.
So let us hope in biology:
Symbiosis is the magic word: two organisms are living together for mutual benefit. That’s the lesson you have learned in biology. Why not here?
I think that both manufacturers can complement each other perfectly, and I hope that in the future one will see more Swiss armies on campaign against Burgundy.
I myself think about a small DBA troop.
As opponents of the swiss I will use the french knights from the Zvezda Box, and some men at arms of Frank‘s collection.
„Burgundian force. Why? The Harnisch is clearly savoyard. Savoyard, not Burgundy !!!!! Compris?“
Frank!!! Be mercifully. We are laymen, no specialists.
We can do that!!!
I hope that this little report could give you a suggestion to re-examine the 1/72 scale for that period. The series of Frank combined with the new releases of Ultima Ratio actually offer also possibilities for wargamers. Nice poses, and you get a comparatively inexpensive army, compared with 28 mm figures.
I hope that my report makes the miniatures more familiar, especially the Minis of Frank, because they are historically very, very correct, and deserve more attention.

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