Sonntag, 12. März 2017

Minenjagdboot Weilheim

Das nächste Schiff, dass ich dann auf meiner Tour in Wilhelmshaven betreten habe, ist das Minenjagdboot M 1077 der Klasse 331 B mit dem Namen „Weilheim“.

Anbei die Tafel mit den technischen Daten.


Irgendwie hat das arme Boot ein schweres Los an der Pier, verschmelzen doch seine Aufbauten fast komplett mit denen, der im Hintergrund liegenden Mölders.

Auch wenn Du es dann betrittst, erschließt sich einem Laien erst einmal nicht wirklich viel.
Gelbe Bojen, die aussehen wie lustige kleine Delphine.




Irgendwelche Rollen und Seile an denen Du dann vorbeikommst. Hhm. Keine Ahnung.
Da muss man dann doch mal nachschauen, was das ist. Zum Glück gibt es ja Handys.
Na und dann versteht man, dass das ja die „Waffensysteme“ sind. Räumgeschirre, ein Kran, Winden, und Geräuschbojen.
Ja diese lustigen gelben Teile, die haben es in sich, wurden bzw. werden sie doch zum Aufspüren von Minen benutzt.
Das Ding ist also „wehrhaft“ ohne so auszusehen.
Das hat auch was.
Was mir dann sofort auffiel, war das hölzerne Deck auf dem ich stand:
„Guck mal Biggi. Das ist ja mal richtig retro. Die haben ja noch ein Holzdeck!!“
Der unwissende Koppi muss jetzt beschämt sein Haupt neigen.
DAS WAR ABSICHT, musste ich lernen. DAS WAR NOTWENDIG, habe ich erfahren.
Der Hintergrund ist ja auch völlig logisch.
Nicht nur das Deck ist aus Holz, sondern der Großteil des Schiffes.
Minenräumer sollen ja nur ein kleines Magnetfeld erzeugen; immerhin reagieren Minen auf ein solches.
Zum Zeitpunkt der Entwicklung dieser Klasse war Holz der beste amagnetische Werkstoff.
So besteht das Schiff über der Wasserlinie aus 3 Lagen Holz, unter der Wasserlinie ist noch eine vierte aus Eiche hinzugefügt.
Für Auf- und Einbauten achtete man auch darauf, dass möglichst wenig magnetisches Material verwendet wurde.
Diese Notwendigkeit gibt dem Schiff, wenn man es dann betritt, aber auch irgendwie einen extrem zivil wirkenden Anstrich.
Es wirkt wie eine große Yacht, wo vorne eine dicke Wumme (40 mm Bofors Flak) montiert ist.
Wie geil ist das denn eigentlich.
Kein Wunder, dass eines der Boote von einem italienischen Privateigner gekauft wurde, der es tatsächlich zu einer Yacht umbauen ließ.
Dann hast Du da hinten noch die kleinen gelben Delphine und irgendwie wirkt das alles sehr nett.
Vergesst es Leute. Vergesst es.

Wenn Ihr da auf dem Boot seid, dann denkt immer daran, dass diese Boote zu einer Schiffsklasse gehörten, die in einem Ernstfall des kalten Krieges eine wichtige Rolle gehabt hätten.
Nämlich die deutschen Häfen der Nordseeküste minenfrei zu halten.
Die Mine ist ja so etwas, wie die RPG oder die Stinger der Seekriegsführung. Kostet nicht viel. Kann aber eine mordsmäßige Wirkung auf wesentlich, unendlich, teurere Schiffe ausüben.
Eine perfekte Win Win Situation im negativen Sinne.
So etwas muss man effektiv bekämpfen.
Na und mit diesen kleinen Schiffen konnte man das auch tun.
Hinzu kommt, dass Schiffe dieser Klasse sogar beim ersten Auslandseinsatz der Bundeswehr unter Bedrohung, direkt nach der Wiedervereinigung teilnahmen.
Schiffe der Lindau Klasse waren an der Operation Südflanke, dem Beitrag der Bundesmarine am 2. Golfkrieg, beteiligt. Hier kam es dann auch zu Minenräumungen im Persischen Golf.
Wir reden also von scharfen Einsätzen, keinem Manöver.
Die Weilheim selbst war aber an diesem Einsatz nicht beteiligt, allerdings verschiedene Schwesterschiffe.
Man sieht: Die kleinen Holzschiffe können was Schweres. Auch die Besatzungen, die auf so etwas stationiert sind.
Jetzt mal einen Blick in die gute Stube.

Man betritt das Schiff und kann schon mal durch den Glasboden in den Maschinenraum sehen. Schönes Detail.

Hier sieht man einen Taucher mit Ausrüstung als Modell.

Nun der Blick in verschiedene Räumlichkeiten.

Die Kommandantenkammer und die PUO  Kammer auch wieder, ähnlich wie auf der Mölders, im netten Möbeldesign der 80er.



Sanitäranlagen erinnern mich irgendwie an eine Jugendherberge.


Aber wie man sehen kann: Relativ geräumig.
Auch hier wieder das Schwarze Brett mit den Befehlen.


Blick in die Mannschaftsquartiere.






In Spinde und den Aufenthaltsraum.







So: Das ist doch echt jetzt wie bei Oma: Der Philips Fernseher und der Tisch.


Weltklasse.
Das ist wirklich Zeitreise pur.
Aber !!!
Alles bequem. Nicht so beengt, wie beispielsweise auf dem U-Boot.
Ich fand es irgendwie relativ geräumig. Sollte man gar nicht glauben.
Hier nochmals ein Blick zur Anrichte und Essensausgabe.


Ein nettes Boot.
Natürlich bin ich in die Mölders und in mein U-Boot mehr verliebt.
Man möge mir verzeihen.
Es sei aber einmal festgehalten, dass diese Schiffe einfach in einem Marineverband extrem wichtige Aufgaben erfüllen.
Auch hier für die Mannschaften das gilt, was ich schon bei den beiden anderen Schiffen geschrieben habe.
Begrenzter Raum/ Kleine Mannschaft/ Wichtige Arbeit
Teamwork ist alles.
Na und irgendwie ist es das wirklich, was ich hier in Wilhelmshaven auf den Schiffen erlebt habe.
Egal, ob große oder kleine Pötte.
Die Begeisterung von ehemaligen Seeleuten ist einfach nachvollziehbar.
Das ist Teamgeist pur, der da erwartet wird.
Na und Minen sind sehr gefährlich.
Das konnten die Einheiten in echten Einsätzen unter Kriegsbedingungen erleben.
Denn das Minenräumen nach dem Golfkrieg war eine Aufgabe, die richtig gemacht werden musste.
Die Dinger waren scharf und sollten explodieren.
Also Hut ab vor den Besatzungen dieser kleinen Schiffe.
Sie verrichten oftmals den Dienst im Schatten der großen Brüder und erfahren nicht immer die Würdigung, die sie verdienen.
Immer daran denken, lieber Besucher, wenn sie sich auf dieses Schiff begeben.
Es ist kein Spielzeug, keine Yacht, es ist ein Schiff für den Ernstfall, mit wichtigen Aufgaben im Gesamtverband.
Na und deshalb finde ich es auch gut, dass in unmittelbarer Nähe verschiedene Wasserminen ausgestellt sind.






The next ship, which I entered on my tour in Wilhelmshaven, was the minehunter M 1077 Class 331 B with the name "Weilheim".
Here the technical data sheet.
Somehow the small boat has a heavy lot at the pier, cause its superstructures merge almost completely with those of the big Mölders in the background.
Even if you enter it, you does not really understand, what you actually see.
Yellow buoys that look like funny little dolphins.
There are some roles, here some ropes ... Hmm. No idea.
Luckily, we all have cell phones.
Well, just google, and then you understand that these things you see are the "weapon systems". A crane, winches, and buoys.
Yes, these funny yellow buoys, have been used for the detection of mines.
What immediately struck me was the wooden deck on which I stood:
"Look at it, Biggi (my wife). That's really retro. They still have a wooden deck !! "
The ignorant Koppi… I have to bend my head. Yes I’m really ashamed.
THAT was INTENTION, I have to learn. THAT WAS NEEDED, I've learned.
The background is also quite logical.
Not only the deck is made of wood but also the bulk of the ship.
Minehunters are supposed to produce only a small magnetic field. After all, mines react to magnetism.
At the time of the development of this class, wood was the best non-magnetic material.
Thus, the ship consists of 3 layers of wood above the waterline, a fourth of oak is added under the waterline.
For mounting and installation, it was also considered that as little magnetic material as possible was used.
This necessity gives the ship an extremely civilian look.
It looks like a large yacht, where a thick gun (40 mm Bofors Flak) is mounted at the front.
How cool is that actually.
No wonder, that one of the boats was bought by an Italian private owner, who actually converted it to a private yacht.
And what is the story behind the little yellow dolphins?
If you are on the boat, remember that these boats belonged to a class of ships that would have played an important role during the cold war. It’s order:
To keep the German ports of the North Sea coast free of mines.
The mine is something like the RPG or the Stinger in naval warfare. It’s not expensive.. But can have a murderous effect on really expensive ships.
A perfect win win situation in the negative sense.
This is something you have to combat effectively.
Well, with these little ships, you could do it.
Ships of the Lindau class were involved in the operation Südflanke, the contribution of the Bundesmarine to the 2nd Gulf War. This was followed by the clearing of mines in the Persian Gulf.
The Weilheim itself, however, was not involved in this mission, but several sister ships.
One can see: the small wooden vessels are ships for a real fight, not only for maneuvers.
And the little dolphins were the buoys who have to search the mines.
Now take a look in the different rooms.
You enter the ship and you can see through the glass floor into the engine room. Beautiful detail.
Here you can see a diver with equipment as a model.
Now the view into different cabins.
Commanders cabin; PUO cabin; sanitary rooms; message board; cabin of the crew; pantry; kitchen; living room.
After the Gulf War mining was a task that had to be done.
It was a dangerous task.
So chapeau to the crews of these little ships.
They often perform their duty in the shadow of the great brothers and do not always get the appreciation they deserve.
Always remember that, dear visitor, if you go on that kind of ship.
It is not a toy, not a yacht, it is a ship for DEFCON Red, with important tasks in war and in peace time.

Kommentare:

  1. Ich möchte an dieser Stelle einwenden, dass es sich bei dem gezeigten "Archivbild" um ein S-Boot handelt, nicht um ein Minenabwehrfahrzeug.

    Nicht, dass ein Laie denkt: Hä?

    Ansonsten kann ich dazu sagen: Mir hat der Artikel bei weitem nicht so gut gefallen wie frühere Artikel.
    Hier waren echt einige Flaws drin, die weder dem Artikel, noch dem gezeigten Objekt Rechenschaft tragen.

    So sind Räumgeschirre keine Waffensysteme - auch nicht in Anführungszeichen und Minen sind auch nicht die RPGs oder Stinger der See.

    Ebenso konnte mich der Schreibstil nicht fesseln. Irgendwie viel zu flapsig. Das hast du früher deutlich besser hingekriegt.

    Schade eigentlich, denn die gezeigten Bilder sind klasse und würden daraus eigentlich einen echt tollen Artikel machen.

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  2. Hi,
    Gerne auch mal Kritik.Du hattest Recht. Das Bild sollte in den nächsten Artikel. Ist schon entfernt.😊Der RPG Vergleich ist abstrakt zu sehen: Minen, RPGs, Stingers kosten halt wenig ind zerstören viel teureres Gerät. Hätte ich anders ausführen können.

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  3. Hallo,

    Stinger und RPGs sind AKTIVE Waffen, Minen nicht.

    Das ist, als wenn du sagen würdest: "Dolche sind die RPGs der Fantasy." Das hat nichts miteinander zu tun.

    Minen sind Sperrmittel, das spricht für sich. Alles andere ist, als wenn man Äpfel mit Birnen vergleicht.

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  4. Hi,
    klar. Du siehst das aus der militärischen Perspektive. Völlig korrekt. Dahin zielte aber nicht der Vergleich.
    Mir geht es nur um den Kostenvergleich. Bin halt Kaufmann.😉

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    1. Ja, das hinkt trotzdem.

      Ein Porno wird ja nun mal auch nicht zum Actionfilm, nur weil es da ein Tischfeuerwerk gibt.

      Für mich würde das selbst kaufmännisch keinen Sinn ergeben (das durfte ich ja auch mal lernen) - vor allem, da man das Aufgabenspektrum und deren Erfüllung absolut nicht vergleichen kann.

      Aber gut - dafür ist es dein Artikel.

      Ich gebe eben nur zu bedenken, was andere, die sich sicherlich mit der Materie auseinandergesetzt haben, daraus lesen.

      Und bei einer Minenabwehreinheit wird sicherlich keiner denken: "Oh Mann - das ist ja aus nem kaufmännischen Blickwinkel - so ganz plötzlich, mitten im Text. Hätt ich fast überlesen. Was für ein Schelm! Hat der mich doch glatt ausgetrickst! Ein Fuchs ist das!"

      Liebe Grüße

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  5. 😊😊Nett von Dir, dass Du meinem Bericht so eine Wirkung zutraust. Na unsere Kommentare regen doch dann dazu an, sich näher mit der Materie zu befassen. Das finde ich eh immer extrem wichtig. Blogbeiträge sollen ja neugierig machen, nicht allumfassend informieren. Deshalb finde ich Kommentare von Lesern generell gut. Vielleicht habe ich ja irgendwann die Gelegenheit noch tiefer in die Geschichte einzudringen. Dann schreib ich einen weiteren Bericht.
    Liebe Grüße zurück.

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