Freitag, 20. Oktober 2017

Leipzig 1813 in 2017 - Reenactment zum 204. Jahrestag

Last weekend I visited the reenactment event for the 204th anniversary of the Battle of the Nations (Völkerschlacht bei  Leipzig).
Today, I would like to show you pictures and videos in this report. The German text describes only what you see.
So this time, you won’t find a big background story.
Maybe sometimes in the future you will visit Leipzig in the middle of October. The event takes place every year.
In addition to this, Leipzig is simply a great city, and it has a lot more to offer for the fan of the Napoleonic period: the Monument to the Battle of the Nations, the Museum Forum 1813, the Tin Figurine Museum in Dölitz and the small Museum 1813 in Markkleeberg.
So. Best time to go.
It is worth it .



Baram-Bam-Baram-Bam-Baram-Bam
Baram-Bam-Baram-Bam-Baram-Bam
Baram-Bam-Baram-Bam-Baram-Bam


Wir hörten Sie in dem Moment, als wir den Agra-Park in Leipzig betraten. Aber irgendwie klangen die Trommeln anders, als ich es erwartet hatte.
Irgendwie.
Na und im Gegensatz zu Herrn Grouchy – Ihr erinnert Euch an den Verlierer von Waterloo - bewegten WIR uns in Richtung der Geräusche.
Ja Herr Grouchy. So macht man das. Man sucht nicht einen, den man irgendwo vermutet, während man irgendwelche Erdbeeren isst.
Nein!!! Man geht einfach dahin, wo es scheppert. Sowas kann dann mal auch wehtun. Ohne Frage. Aber man macht es halt einfach.
Man macht es vor allem, wenn der Kaiser da ist.
VIVE L’EMPEREUR
Na und wir, meine beiden Freunde und ich, die tatsächlich ganz zufällig schon vor Monaten diesen Städtetrip nach Leipzig gebucht hatten, wussten bereits, dass er heute da sein sollte.
ER!!
Hier. In Leipzig. Wie schon einmal vor 204 Jahren.
VIVE L’EMPEREUR
Die ersten Truppen, die wir erspähten, waren allerdings Preußen. Deshalb dieser merkwürdige und dumpfe Rhythmus der Trommeln.

Verdammt, dachte ich. Ist das jetzt hier genau wie in Waterloo???
Da wartest Du auf Franzosen und wer kommt? Preußen.
Das kann doch nicht wahr sein.
Einen Nachzügler sprach ich dann auch deshalb vorsichtig an, und fragte ihn.
„Entschuldigung. Ist das hier der Weg zum Veranstaltungsgelände??“
Der nickte und zeigte in die Richtung.

Glück gehabt.
Er hatte nicht erkannt, dass ich ein französischer Sympathisant bin, und meinen befreundeten Truppen ja somit den Anmarschweg der Preußen verraten könnte.
Wirklich Glück gehabt.
Auf dem Weg zum Gelände wäre es uns dann auch noch ein Einfaches gewesen eine Fahne zu erobern.
Sehen Sie selbst.

Also meine Herren.
Die Fahne darf doch nicht so offen getragen werden, wenn man sich schutzlos durch Gelände bewegt, wo die Aufstellung der gegnerischen Einheiten noch nicht ganz klar ist.
Wir drei hielten uns aber mit einem Angriff zurück, weil wir ja keine Uniformen trugen und einfach Angst hatten, dass man uns für Freischärler halten könnte, die ja nicht unter den Schutz der Haager Landkriegsordnung fallen.
Stellen Sie sich mal vor, sie stehen danach vor sowas.

Nicht schön.
Als wir dann das Schlachtfeld erreichten sahen wir zunächst noch mehr sogenannte „Verbündete“, also Frankreichs Feinde.
Dennoch hatten wir mit den Preußen ein nettes Gespräch, das sich vor allem um das Schuhwerk drehte.


Dazu dann noch einen schönen Fahrzeugpark.






Die Gendarmerie bewachte das Gelände und regelte dann den Strom der herummarschierenden Reenacter.

Na und die Kavallerie machte sich auch langsam fertig.






Das sieht doch schon mal gut aus, dachte ich.
Na und dann konnten wir schon mal leicht aufatmen. Wahre Verbündete gab es also doch noch:
Die Sachsen. Da waren sie. Treu an der Seite unseres Kaisers.




VIVE L’EMPEREUR
Na jedenfalls jetzt.
War ja auch noch vor der Schlacht.
An dieser Stelle bleibt aber mal festzuhalten, dass die Wankelmütigkeit der Sachsen gegen Ende der Schlacht von 1813, weiß Gott nicht die Auswirkungen hatte, die ihr dann später angedichtet wurden. Die 3000 bis 4000 Sachsen und ca. 500 württembergischen Kavalleristen, die da die Seite wechselten, waren nicht kriegsentscheidend.
Aber dennoch.
Man hatte den Kaiser verraten.
VIVE L’EMPEREUR
Das macht man nicht.
Na und dann darf man im Nachgang nicht darüber weinen, dass man im Französischen „C’est un Saxon“, sagt, wenn man über einen Abtrünnigen spricht.
Aber … ich vergebe ihnen, den Sachsen. Ich mag Leipzig, ich mag Dresden, warum soll ich Ihnen den Verrat nachtragen.
Lange waren SIE uns echte Verbündete…. und die Preußen haben Sie dann ja auch so bestraft:
57% des Territoriums und 42% der Bevölkerung stahlen die landhungrigen Preußen den guten Sachsen.
Pfui für die Preußen.
VIVE L’EMPEREUR

Wir schauten uns um, und plötzlich, ganz plötzlich, hörten wir etwas Vertrautes. Eine gar liebliche Melodie.

Taram-Tam- Taram-Tam- Taram-Tam- Taram-Tam
Ti-TiTiTi-TiTi-Ti-Ti-Rittiti
Ti-TiTiTi-TiTi-Ti-Ti-Rittiti

Da kamen Sie.
Endlich.
Die Franzosen.
Durch ein Waldstück hindurch, direkt auf mich zu.




VIVE L’EMPEREUR
Na und es wurden noch mehr.








Ja. Jetzt konnte es dann ja bald losgehen.
Noch ein Schwätzchen mit den Verbündeten.



Danach kamen dann noch Russen, nebst Baschkiren, Preußen, Braunschweiger, Österreicher.










Sogar Briten und KGL Truppen.









Ja. In Leipzig dürfen – ähnlich wie 2015 in Waterloo – auch alle mitspielen. Na und ich finde es mittlerweile wirklich nicht mehr störend.
Hauptsache die Franzosen gewinnen.
VIVE L’EMPEREUR

Auf dem Feld begannen sich die Truppen zu sammeln.



Dieser Herr hier erklärte uns Schlachtenbummlern den Verlauf des Gefechts. Wir fanden es sehr informativ.

An den Stellen, wo man dann auch das Geschehen genießen sollte, schwieg er.
Ein …
VIVE L’EMPEREUR …
dem Moderator, der seinen Job wirklich gut gemacht hat.
Informationen vermitteln, aber schweigen können an Stellen, wo man das besser sollte, das ist eine Kunst.
Na und er hat diesen Balanceakt wirklich gut gelöst.
Thema der diesjährigen Reenactmentveranstaltung waren die Kämpfe um Cröbern und die Schäferei Auenhain.

Wir bekamen erzählt, dass immer ein Teilaspekt der großen Völkerschlacht Thema des Reenactments sei, und das nun schon seit 30 Jahren.
Die Franzosen nahmen dann – von den Zuschauerplätzen aus betrachtet – am linken Feldrand Aufstellung. Rund um das mit kleinen Häuschen stilisiert dargestellte Dorf.


Vor der Linieninfanterie stand Artillerie und die leichte französische Infanterie rückte auch in ihre Positionen.



Letzteres fand ich richtig klasse. Die Leichten operierten quasi unmittelbar vor den Zuschauern.






Na und so konnte man das taktische Vorgehen hier perfekt erleben. Das hat uns sehr gut gefallen.
Natürlich bezog dann auch die sächsische Artillerie ihre Positionen.



Richtig beeindruckend waren die verbündeten Rheinbundtruppen, die zu einer recht großen Einheit zusammengefasst waren und im Parademarsch das Schlachtfeld betraten. Es sah gut aus, und ich muss dann auch als erfahrener Tabletopspieler sagen, dass sie wunderbar schwenkten und ihre Positionen wechselten. Dabei kamen Sie NICHT in Unordnung.




So muss das sein. Wie wir, und die Reenacter,  das mal gelernt haben (ein Insider ;-)) )
Einige Infanteristen mussten nochmals die Waffen überprüfen und reihten sich dann auch wieder in die Schlachtlinie ein.




Natürlich gab es auch Offiziere, die das alles begutachteten. Wie es sich gehört. Rumstehen, salutieren und gucken.

VIVE L’EMPEREUR
Plötzlich erschienen am rechten Feldrand die Gegner.

Tiroler Schützen und Jäger begannen zu plänkeln.



Dann marschierten die Preußen und Russen auf.



Die sächsische Antwort ließ nicht lange auf sich warten.

Schade, dass dann aber auch die Preußen ihre Kanonen aufs Feld gebracht hatten. Na du ich muss schon sagen …. Die 12 Pfünder rumsten schon ordentlich.

Die Plänkler beider Seiten bekämpften sich nun.


Das Gros der verbündeten Truppen ging jetzt zum Angriff über.







Auch Lützower Jäger rückten verdeckt vor.


Die Kavallerie versuchte einen Gegenangriff, musste sich aber vor den im Karree formierten Truppen zurückziehen.




Das Karree formierte kurz danach wieder in Linie um, und rückte weiter vor.





Die Franzosen standen in Linie und erwarteten den Gegner. Eine rollende Salve dröhnte.


Die Briten – wir stellen uns jetzt einmal vor, dass es eigentlich Österreicher wären -  rückten an der rechten Flanke vor, um die Franzosen zu umgehen.
Baschkiren und Lützower Jäger sicherten den linken Flügel.


Kurz darauf erschien die Verstärkung. Preußische Landwehr wurde nach vorne geworfen.




Ebenso weitere Artilleriegeschütze der Preußen.

Um die Lützower und die Baschkiren zu vertreiben, rückte die französische Leichte erneut vor.
Ihr Angriff war erfolgreich.







Als dann aber Schweden, Braunschweiger und Russen erschienen, wurde es wieder kritisch für die siegesgewissen Franzosen.




Die beiden Kampflinien standen sich gegenüber. Salven wurden gefeuert. Die Plänkler schlossen sich an de Linie an.







Dann rückten die Franzosen wieder vor. Nicht nur die Plänkler, sondern auch die nun eingesetzten Marines.






VIVE L’EMPEREUR
Landwehr und Plänkler standen im Pulverdampf. Aber aufgeben wollten sie nicht.



Nein.
Man formierte sich neu, und rückte dann wieder vor.

Die Rheinbundtruppen formierten sich, und die sächsische Artillerie an der Flanke verstärkte das Feuer.



Doch die preußische Artillerie antwortete sofort.

Egal, dachte der französische Kommandant und befahl …
„EN AVANT“!!

Das sah schon imposant aus. Vorrücken auf der ganzen Linie. Feuern. Vorrücken.



Die Gegner weichen geordnet zurück; eröffnen aber auch Ihrerseits das Feuergefecht.


Letztendlich mussten sich die Franzosen zurückziehen, und der Gegner besetzte das Dorf.









Obwohl noch weitergekämpft wurde, obwohl die Franzosen sogar noch das Dorf zu stürmen suchten,





wagte er sich vor…

ER!...
VIVE L’EMPEREUR
Mitten im Kampfgetümmel inspizierte er zusammen mit seiner Entourage und dem sächsischen König die Truppen.
VIVE L’EMPEREUR
ES LEBE DER KÖNIG …
schallte es aus den Kehlen.
Ein schöner Moment.







Damit endete die Schlachtvorführung.

Zum Abschluss schaute ich noch den abrückenden Leichten Infanteristen nach. Ein Chapeau an den Teilnehmer, der sich – trotz einer offensichtlichen Beinverletzung – da die ganze Zeit hindurch durchgekämpft hatte. Was tut man nicht alles für den Kaiser.
VIVE L’EMPEREUR




Also ich muss sagen, wir hatten schon jede Menge Spaß. Aber unser persönliches Highlight kam ja noch.
Ich hatte in der Menge einen Bekannten erspäht. Arndt. Vom 8ieme Regiment des Kaisers.
Ich bin ja mittlerweile so etwas wie ein Fan dieser Truppe, und bezeichne mich dann auch schon mal gerne als Schlachtenbummler, weil Die Jungs mir dann ja schon einmal über den Weg laufen, wenn ich im Auftrage des Kaisers unterwegs bin.
Arndt und seinen Sohn Philipp - letzterer in einer Uniform der Infanterie des Herzogtums Kleve-Berg,
VIVE MURAT, was sich auch als junger Rekrut so gehört, wenn man vom Niederrhein kommt, - trafen wir dann auch noch nach der Veranstaltung, als wir uns an verschiedenen müden Kriegern vorbei, zum Schloss in Markkleeberg zurückgezogen hatten.






Hier bekamen wir dann noch einige Details erklärt, und mein Freund Martin meinte danach:
„Geil. Alle Fragen, die ich zum Reenactment hatte beantwortet. Klasse!!! Na und dann noch so fachkundig und nett!!“







Schon klasse mal einen solchen Zündstein in seiner Bleiummantelung zu sehen, die Funktionsweise des Gewehrschlosses live und anfassbar zu sehen, und grundsätzliches und detailliertes Fachwissen zum Reenactment vermittelt zu bekommen.
Danke Arndt. Auch im Namen der Jungs. Na und danke Philipp, dass Du Deinen Vater hast erzählen lassen.
Diese verkürzte Originalmuskete aus dem Jahr 1812 zu halten, war für Martin eine Ehre, keine Aufgabe.

Arndt, Philipp. Es war einfach klasse Euch danach noch zu treffen und ein bisschen zu quatschen.
Gerne wieder; irgendwann, irgendwo anders auf einem Schlachtfeld des Kaisers.
VIVE L’EMPEREUR
Soweit zum Reenactment. Ein paar weitere Geschichten zu Leipzig werden noch folgen.
Lasst Euch überraschen.







LA VICTOIRE EST A NOUS