Dienstag, 4. Oktober 2016

Bretten 1504 - Eine Belagerung


HÖRET HÖRET HÖRET
HEAR HEAR HEAR

WAS DER MAGISTER ANDREAS ZU ERZÄHLEN HAT
WHAT MAGISTER ANDREAS HAS TO SAY

TANDERADEI
TANDERADEI




Every year after the saint’s day of St. Peter and St. Paul there is a great medieval show in the small town Bretten, near Karlsruhe in Germany.


The pictures you can see in the report are from this year. I visited the fair on saturday the 2.7. and sunday the 3.7.
And yes. I have had a lot of fun.
Special guests this year were members of the Free Company (Brighton). So maybe, some of my english readers, will spot some of the guys in the pictures.





But, why is there such a big festival. Is there a historical background?
Yes it is.
In the year 1504 there was a famous siege there. The siege was part of the War of Succession of Landshut. The war resulted from an agreement between the two duchies of Bavaria-Munich and Bavaria-Landshut. It stated that if one branch should become extinct in the male line, the other would inherit both duchies.
The duke of Bavaria-Landshut had only a daughter and so he decided to give his land in case of his death to his son-in-law Ruprecht. Ruprechts father was the elector of the Palatine of the Rhine (Kurpfalz in german), one of the most important rulers in the Holy Roman Empire.
In 1504 the Duke dies and the war begins.
The elector of the Palatine was on the side of his son. Also the french king and the king of Bohemia.
On the other side the foes: The emperor himself, the duke of Bavaria-Munich, the duke of Württemberg, the Swabian League, the duke of Brandenburg-Ansbach-Kulmbach, the imperial city of Nuremberg, and many neighbours of the Palatine state, for example the elector of Mainz.
The Duke of Württemberg, a really brutal charater (he had killed the husband of his mistress personally), attacked the territory of the Palalatine. At that time Bretten was part of it.
We have an eyewitness account about the siege of Bretten. Georg Schwarzerdt, the mayor of Bretten in 1561, wrote a report about the events, after interviewing some contemporaries (Maybe you know his famours brother, the reformator Melanchthon, friend of Martin Luther).
It’s a great source about a medieval/ Renaissance siege. The book is published in german language:


The army of Ulrich of Wurttemberg was about 20.000 men strong: 6000 bowmen, about 11.000 infantrymen with pikes, halberds, crossbows and so on, 1500 knights and other cavalrymen,„Welsche Garde“ (french troops) with 87 men and 380 horses.
Also artillery: The big medieval canons „Rose“, „Murfel“ and „Ketterlin“ (big medieval guns in Germany had names. For example „Murfel“ is medieval german, meaning „the wall falls“).
„Murfel“ – 63 hundredweight, a bronce gun of 3,50 metres length, caliber 50 cm. The stones who could be fired from the canon, had a weight of 161 pounds.
Also a lot of smaller canons were part of Ulrich’s artillerypark.
The artillery redoubt had a length of 750 metres.
2000 wagons, more than 11000 draft animals, 10.000 – 20.000 civilians, oxens, cows, swines and so on were part of the baggage train, which was on the road via Bretten.
In Bretten there was a small home guard of 98 men. Also the civilians operating the smaller guns and handcanons in the city.
3 troops, socalled „Fähnlein“. We have no exact number.
A further unit with 1500 men arrived during the siege.

9. June: Württemberg scouts in front of Bretten
11. June: Construction of the redoubt begins
12. June: Begin of the cannonade
21. June: Mutiny of Albrecht Schedels Fähnlein (Captain Albrecht Schedel and his unit). At the end the mutiny was settled. The Landsknechts fought again for Bretten.
22. June: Reinforcements of 1500 Landsknechts arrived in the city.
28. June: Attack of Bretten troops against the redoubt:
Forlone Hope with 500 men; 70 men of the homeguard; 1000 Landsknechts. 24 cavalrymen.
Result: A lot of canons were conquered. Some canons were destroyed. It was a full success for Bretten.
29. June: The Württemberg cannonade starts again.
1. July: 335 shots on Bretten. The city did not surrender.
2. July: Duke Ludwig, son and heir of the Palatine elector, made an armistice with Ulrich.
3. July: Duke Ludwig in Bretten
4. July: Separate peace treaty for Bretten and the surrounding villages. End of the siege.



If you like medieval fairs just visit Bretten in summertime. The city is really nice, a typical small german picture book city.
I think, you will have a lot of fun there.
Near Bretten are the cities of Karlsruhe and Bruchsal with two famous baroque castles.
You will really undergo  a travel through time.







Sollten hier Württemberger mitlesen, bitte ich schon mal vorab um Entschuldigung. Ich kenne mich ja. Na und wenn es jetzt losgeht, könnten da schon ein paar Entgleisungen vorkommen.
Natürlich nur Entgleisungen aus Sicht von Württembergern.
Aus meiner, der einzig wahren, der Kurpfälzer Sicht, ist alles gut und richtig.

Ulrich von Württemberg (1487-1550) ist nach meiner Meinung der unsympathischste Landeschef von Württemberg in der Geschichte. O.K.; es gibt vielleicht Leute, die diesen Titel auch Hans Filbinger verleihen würden.
Ich bleibe aber bei Ulrich.
Ulrich war ein Killer. Im wahrsten Sinne des Wortes. Oder wie würden Sie jemanden nennen, der den Ehemann seiner Geliebten aus dem Weg räumt – persönlich, nicht durch Auftragskiller, was in der Epoche ja ansonsten up to date war!!!! -, weil er halt stört.
Hans von Hutten, der Ehemann, stirbt an sieben Wunden, fünf im Rücken. Man weiß, dass Ulrich ihn dann vom Tatort wegzerrt, ihm einen Gürtel um den Hals bindet, diesen am Schwert befestigt und letzteres in den Boden rammt.
Oh dieser böse von Hutten. Er hatte es nämlich gewagt, sich darüber zu beschweren, dass der Fürst seine, eben Huttens, Frau vögelte. Na und das konnte der Fürst doch nicht auf sich sitzen lassen.
Wo kommt man denn dahin, wenn sich da jemand beschwert und die Unfehlbarkeit in Frage stellt?
Die legitim angetraute Gattin von Ulrich, Sabina von Bayern , die ihm nach Mode der Zeit aufgezwungen wurde, sucht ihr Heil in der Flucht und begibt sich mit Hilfe des bisherigen Vertrauten Ulrichs, Dieter Spät (nicht verwandt mit Lothar Späth einem anderen württembergischen Landeschef), zur Verwandtschaft nach Bayern. Auch ihr gegenüber soll er gewalttätig gewesen sein. Na und vielleicht hatte sie Angst, dass ihr das gleiche Schicksal blühte, wie dem gehörnten Ehemann. Der Thronerbe war schon auf der Welt. Die Pflicht war getan. Somit war sie ja auch im Grunde überflüssig. Ja vielleicht hatte sie wirklich diese Befürchtungen.
Im Ländle regte sich Protest.
 „Heidernei“, wird man gedacht haben.
Sebastian Breuning und Konrad Vaut, die Vögte von Weinsberg und Cannstadt wagten es sogar zu protestieren und wurden … hingerichtet. Was auch sonst.
Ach; bevor ich es vergesse. Die Besitzungen Späts griff Ulrich natürlich an und ließ sie verheeren.
Ein gar netter und weiser Herrscher der Herr Ulrich.
Jetzt wurde es sogar dem Kaiser zu bunt. Am 11. Oktober 1516 erklärte der Kaiser Ulrich in Acht und verlangte für 6 Jahre den Verzicht auf die Regierung und das Verlassen des Landes. Zähneknirschend gab der Herzog nach. Ein Regimentsrat wurde gebildet, die Familie von Hutten „entschädigt“, die Acht somit aufgehoben.
Es liegt irgendwie in der Logik dieses Typus Herrscher, dass das Ländle in seiner Regierungszeit wuchs. Natürlich war ein solcher Fürst auf Expansion aus, überfiel verschiedene Reichsstädte einfach nur, um seine Herrschaft zu mehren, wie es so schön heißt.
Das bekannteste Beispiel ist sicherlich der Angriff auf Reutlingen.
Im Mai 1519 musste er dann außer Landes fliehen, nachdem sich der Schwäbische Bund und andere zusammengetan hatten, um dem Treiben des Herrschers ein Ende zu setzen.
1534 kehrte er mit Hilfe Philips von Hessen ins Ländle zurück, und wurde der erste reformierte Landesherr in Württemberg. Grund: Man konnte jetzt sogar rechtens genügend kirchliche Güter einsacken und seiner eigenen Hausmacht zufügen. Ist doch klasse. Cuius regio, eius religio.
Böse Interpretation? Mag sein.
Ich denke, sie entspricht dem Typus dieses Potentaten.
“Kein protestantischer Fürst ließ gegen einzelne Widerspenstige so gewalttätig verfahren, wie der Herzog von Württemberg und keiner ergriff mit solcher Hast das zeitliche Gut der Kirche als der Herzog zu Württemberg.“ Das schrieb nicht irgendein Beauftragter der Inquisition oder der Gegenreformation, nein dies schrieb der evangelische Pfarrer Heyd aus Markgröningen.
Schön auch ein Urteil über ihn von einem weiteren Zeitgenossen:
“Inn anno dominny 1550 denn 8. tag Novembris starb hertzog Ullrich von Wyrttennberg der gros thyrannisirer, der wildenn seuw vatter, …”
(http://www.landsknechte-bretten.de/wissenswertes/ulrich-herzog-von-wurttemberg/ )
Ja so war er der Ulrich. Ein Mörder und Räuber auf dem Landesthron.
Diese Intro war jetzt notwendig, dass Sie meine lieben Leser schon einmal wissen, mit was für einem Typ Mensch sie es zu tun haben, wenn ich jetzt zu meinem Hauptthema komme.
Nämlich der Belagerung der kurpfälzischen Stadt Bretten, damals noch Brettheim, im Jahr 1504 im Rahmen des Landshuter  Erbfolgekriegs.







Landshut?
Ja.
Bayern?
Ja.
Was war passiert?
Herzog Georg der Reiche von Landshut verschied ohne männlichen Erben. Er selbst hatte vorher den Ehemann seiner Tochter, den Kurpfälzer Ruprecht von der Pfalz, den Sohn des Pfalzgrafen Philips des Aufrichtigen, zum Erben ernannt.
Dies widersprach allerdings dem Wittelsbacher Hausvertrag, nach dem bei Aussterben einer männlichen Linie die Besitzungen an die jeweils andere Linie fallen sollte.
Na und es war ja logisch, dass der Herzog von Bayern-München (oh ja so hieß das Herzogtum damals noch) mit der privaten Regelung von Georg nicht einverstanden war.
Der Herzog von Bayern-München, Albrecht IV., bekam dann auch vom Kaiser recht, und auf seine Seite stellten sich der Schwäbische Bund, Herzog Ulrich von Württemberg, Markgraf Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach, die Reichsstadt Nürnberg und noch einige kleinere direkte Nachbarn der Kurpfalz, da letzteren die Erstarkung der Kurpfälzer schon länger ein Dorn im Auge war. So marschierten natürlich auch Kurmainzer Truppen auf Seiten Ulrichs mit.
Partei für Ruprecht ergriffen sein Vater Philipp und die Kurpfalz, aber auch die Könige von Frankreich und Böhmen. Der Markgraf von Baden verhielt sich neutral.
Was soll ich sagen.
Philipp der Aufrichtige kämpft gegen den oben beschriebenen Ulrich.
Pah.
Ist doch klar, wer im Recht war und ist.
Der Aufrichtige oder der Mörder?
Pah.
Zurück nach Bretten.
Ulrich stellte ziemlich schnell ein wirklich beeindruckendes Angriffsheer zusammen. Die Angaben, die uns dafür vorliegen, schwanken zwischen 20.000 und 30.000 Mann.
Stälin in seiner Württembergischen Geschichte, Teil 4, Stuttgart 1873, beziffert das Heer wie folgt:
20.000 Mann, darunter 6000 Bogenschützen und 10.000 Mann Landesaufgebot. Die Reiterei bestand aus 1.500 Reisigen. Zu letzteren wurde auch die „Welsche Garde“,  die aus 87 Edelleuten mit 380 Pferden bestand gezählt (somit scheint die „Welsche Garde“ nach den Richtlinien einer französischen Lanze gegliedert gewesen zu sein: Eine Lanze bestand aus dem Ritter und entsprechenden Gefolgsleuten. Folglich, wenn man die Anzahl der Pferde als Maßstab nimmt, werden die 87 Lanzen aus vier bis fünf Mann bestanden haben, was für die Zeit auch üblich ist.).
Der Geschützpark war für damalige Verhältnisse schon sehr beeindruckend. Die schwersten Geschütze waren die “Rose”, die “Murfel” und das “Ketterlin” aus Ulm.
Die „Murfel“/Mauerfäll – man beachte den Namen – wog 63 Zentner und hatte ein Bronzerohr mit einer Länge von 3,5 m und einem Kaliber von 50 cm. Der Stein, der hier abgefeuert werden konnte,  wog 161 Pfund. Die schweren Steinbüchsen konnten nur ein- bis zweimal am Tag eingesetzt werden, weil die Rohre abkühlen mussten. Leichtere Geschütze, wie Kartaunen, Feldschlangen, Falkonetten kamen auf Schußleistungen von 18 Schüssen pro Tag.






Ein riesiger Tross walzte sich auf die Kurpfalz zu. Ein solcher Heereszug hatte mehr als 2000 Wagen (man rechnet 10 Fußknechte für einen Wagen). An Zugtieren ergab das mehr als 11.000 Tiere, dazu kamen ja noch die Ochsen und anderes Getier, die für den Verzehr gedacht waren. Nicht zu vergessen die Zivilpersonen, die einem solchen Zug im Verhältnis 1:1 bis 1:2 folgten.
Bretten und das Oberamt stellten nach Conrad von Sickingen folgende Verteidiger (Leo Vogt: 1504. Die Chronik des Georg Schwarzerdt. Eine Stadt lebt ihre Geschichte, S. 80):

Bretten - 50 Gewappnete mit Armbrust, Handbüchsen, Hellebarden, und langen Spießen, 2 Roßwagen, 1 Speißwagen mit je zwei Knechten und vier Pferden.
Heidelsheim - 40 Gewappnete mit Armbrust, Handbüchsen, Hellebarden, und langen Spießen, 2 Reißwagen, 1 Speißwagen mit je zwei Knechten und vier Pferden.
Flehingen - 4 Gewappnete, 1 Reißwagen mit 2 Knechten und vier Pferden
Rinklingen - 4 Gewappnete, 1 Reißwagen mit 2 Knechten und vier Pferden
Somit hatte die Stadt selbst ein Kontingent von 98 Gewappneten, zu denen noch Bürger hinzukamen, die die Haken- und Handbüchsen der Stadt bedienen konnten.
Neben diesen Bewaffneten waren in Bretten zunächst noch 3 Fähnlein Landsknechte. Das eine Fähnlein kam aus Ortenberg aus dem „Oberen Reich“ (Elsaß und Oberland. Vor dem Landshuter Erbfolgekrieg hatte die Kurpfalz noch ausgedehnte Besitzungen im heutigen Baden und im Elsaß. Die Kurpfalz hatte erkannt, dass die hier liegenden Gebiete einfach zu exponiert waren, und nicht verteidigt werden konnten. So wurden hier Landsknechte abgezogen und nach Bretten geschickt). Der Hauptmann, ein Schneider, wurde während der Kämpfe von einem Querschläger getötet. Mehr ist über ihn nicht bekannt.
Ein weiteres Fähnlein wurde von Hans von Göppingen angeführt.
Das dritte Fähnlein stand unter  dem Befehl von Hauptmann Albrecht Schedel.
Später kam noch eine Einheit mit 1500 Landsknechten hinzu, die vom Kurfürsten zur Verstärkung geschickt wurden.










Herzog Ulrichs Truppen kümmerten sich zunächst um das Kloster Maulbronn und die dazu gehörigen Dörfer. Dörfer und Kloster mussten sich ergeben.
Am 9. Juni 1504 tauchten dann die ersten Württemberger vor Bretten auf, um einen Platz für die Geschützstellung zu erkunden. Am 11. Juni brach das Heer von Herzog Ulrich am Stegersee auf.
Als Ulrich vor der Stadt ankam, wurde alsbald eine Schanze errichtet, etwa 300 Meter hinter dem Pfeifferturm. Die Chronik berichtet von 650 Schanzkörben, die aufgestellt wurden. Das würde wiederum einer Frontbreite von 700 Metern entsprechen. Eine wirklich beindruckende Linie.
Das Hauptlager wurde in einiger Entfernung zur Schanze angelegt.
Die Beschießung der Stadt begann dann auch am 12. Juni und wurde netterweise durch ein Trompetensignal angekündigt.




Die Stadt wehrte sich.





„Die auf der Mauer leisteten starke Gegenwehr und schossen ohne Unterlass Tag und Nacht. Andere besserten das, was tagsüber zerschossen wurde, des Nachts mit Holz, Erde, Mist und Steinen wieder aus. Wieder andere legten eine Fallgrube …innerhalb der Ringmauer genau dort an, wo man den Ansturm der Belagerer erwartete. Das Innere des Grabens war mit angespitzten Zaunpfählen, die gegeneinander zeigten, gespickt. Dazwischen lagen mit Schwefel und Pech getränkte Strohräder, die man im Falle eines Angriffs sofort hätte anzünden können. Zusätzlich wurde eine große Anzahl von Fußeisen gelegt.“ (Chronik, S. 31)
Hinzu kam, dass auch noch neben den oben genannten Verteidigungswaffen das schwerste Geschütz der Belagerung, der „Balduff“, an einem Tor stand. Auf dem Wehrgang war kein Platz für das Monster.









Aber auch ganz andere Probleme brachte die Belagerung. Immerhin war man auf engstem Raum zusammengepfercht, und so wird auch mehrfach in der Chronik von Problemen zwischen Soldateska und Bürgern berichtet.
Am 21. Juni eskalierte dies in der Meuterei der Landsknechte von Albrecht Schedel. Es ging um das liebe Geld. Die Soldzahlungen waren seit einem Monat überfällig, und jetzt gab es die ersten Toten. Daraufhin begannen die Truppen zu meutern.
Schedel versucht zu vermitteln. Doch das fruchtet nicht.
Der Vogt der Stadt, Conrad von Sickingen, und der Oberst Marsilius von Reiffenberg rufen die Bürgertruppen zusammen, und lassen die anderen Landsknechte über die Stadt verteilen, um eine weitere Zusammenrottung zu verhindern.
Ein kritischer Zeitpunkt der Belagerung. Sollte die Stadt an internen Problemen brechen?
Am Ende gelingt es allerdings – sogar eine Machtdemonstration der städtischen Truppen  war dafür notwendig - die Söldner zu beschwichtigen.
Die Ansprache Schedels ist überragend:
„Er verstehe nicht, welcher Mangel sie dazu bewegte, sich während der derzeitigen ernsten Gefahren so aufzuführen. Es fehle weder an Proviant noch an Sonstigem. Selbstverständlich seien schon einige verletzt oder durch die Geschütze getötet worden, aber das brauche sie nicht zu wundern, denn dafür seien sie da. So sei der Krieg, wer das nicht ertragen könne, solle zu Hause bleiben und sich keinem Herrn verpflichten.“
Der gefällt mir der Schedel: Ein Realist und einer der geradeaus sagt, was Sache ist.





Am 22. Juni ist das große Durchatmen in der Stadt angesagt: Die 1500 Mann Verstärkung mit ihrem Kommandeur Hans von Hattstatt kurfürstlicher Landsknechte rückt  ein.




Aber nicht nur Durchatmen war angesagt. Nein.
Man entschied sich sogar dazu die feindliche Schanze anzugreifen.







Am 28. Juni war es soweit.
Die Hauptleute teilten die Truppen ein.
Vorneweg der „Verlorene Haufen“ mit 500 leichtbewaffneten Landsknechten. Auf jeder Seite gedeckt von einer Gruppe Handschützen.
Diesen folgten 70 Bürger. Laut Chronik wollten sich noch mehr an dem Ausfall beteiligen, wurden aber zurückgehalten (Chronik, S. 51)
Darauf folgte dann der „Gewaltige Haufen“ mit 1000 Landsknechten.
Turm und Mauer mit Blickrichtung zur Schanze wurden mit Schützen verstärkt.
An den Toren standen noch Eingreifreserven bereit.



















Die Planung ging sogar so weit, dass etliche Bürger mit Knechten und Pferden bestimmt wurden, um die eroberten Geschütze in die Stadt abzutransportieren.
Ulrich von Flehingen unterstützte den Ausfall noch mit 24 Reitern.
Die Hauptleute machten den Truppen vor dem Angriff noch Mut und gaben die letzten Instruktionen. Verteidigt wurde die Schanze von ungefähr 300 Mann.














Der Angriff gelang; die Württemberger wurden völlig überrascht. Kanonen, die nicht abtransportiert werden konnten, wurden mit stählernen Zapfen vernagelt. Nur mal so: Die Brettener waren weitsichtiger als Napoleon und seine Kommandeure bei Waterloo. Da wurde es vergessen, eroberte Geschütze derart außer Funktion zu setzen.
Viele Geschütze konnten abtransportiert werden. Man hielt sich allerdings zu lange mit der „Ketterlin“ auf, die zu schwer für den Abtransport war. Hätte man diese links liegengelassen, wäre noch mehr abzutransportieren gewesen.
Im württembergischen Lager brach kurz Panik aus, weil man mit weiteren Angriffen rechnete.
Das ging sogar so weit, dass Freund und Feind sich gegenseitig nicht erkannten. Württemberger fluteten mit zur Stadt zurück, weil sie dachten inmitten eigener Truppen zu sein. Sie wurden angegriffen und teilweise gefangen genommen.
Ein weiterer Angriff der Württemberger auf die Stadt wurde abgewehrt, und sie hatten 250 Tote.




Am 29. Juni wurde der Beschuss aber wieder aufgenommen.
Am 1. Juli fielen 335 Schüsse, darunter auch Brandkugeln auf Bretten.
Am anderen Tag kam es allerdings zu Waffenstillstandverhandlungen.
Herzog Ludwig, des Kurfürsten Sohn und später dann selbst Kurfürst der Pfalz, führte persönlich die Verhandlungen mit Herzog Ulrich und besichtigte danach die Stadt.
Am 4. Juli wurde dann die Friedensvereinbarung für das Oberamt geschlossen. Bretten und die Umgebung waren raus aus dem Konflikt.





Ulrich zog mit seinem Heer ab und wendete sich nach Besigheim, dann nach Weinsberg und nach Möckmühl. Alle Städte wurden erobert.

Die Chronik berichtet, dass nur zwei Brettener Bürger und 14 außerhalb der Bürgerschaft umgekommen seien. Dies heisst wiederum, dass die Landsknechte den Großteil der Verluste hatten.
Dass diese spätmittelalterliche Belagerung so gut dokumentiert ist, verdanken wir dem Bruder des Reformators Melanchthon, Georg Schwarzerdt, der 1561 Schultheiß in Bretten war und eine Chronik verfasste. Er hatte sogar noch lebende Zeitzeugen zu den Ereignissen befragt, die er in der Einleitung seiner Chronik sogar namentlich benennt.
Wir haben hier also eine Quelle allererster Güte, die, wie oben zitiert, auch gedruckt vorliegt.
Alle Bilder aus diesem Bericht stammen vom diesjährigen Peter und Paul Fest in Bretten, über das ich dann demnächst berichten werde.













Die Brettener gedenken jedes Jahr an dem Wochenende nach Peter und Paul mit einem phantastischen Mittelalterspektakel dieser Ereignisse. Zum Glück hatten mir Brettener Landsknechte, die letztes Jahr auf dem Markt in Ebernburg waren davon erzählt, so dass ich mir den Termin in meine Liste eintragen konnte.






Im Jahr 2004 wurde sogar zur 500 Jahrfeier der Tross des Ulrich von Württemberg mit fast 500 Aktiven nachgestellt. Ein Stück living history, das wirklich Respekt verdient.
Hier kann übrigens der entsprechende Bildband mit wunderschönen Bildern gekauft werden.
Auch auf die Seite der Landsknechte von Bretten möchte ich an dieser Stelle verweisen, wo man auch sehr detaillierte Informationen zu diesem Kriegszug findet.
Alles weitere, auch die Besprechung der anderen historischen Gruppen in und um Bretten, folgt in einem Bericht über die Festivitäten an sich.
Eines kann ich schon vorweg nehmen. Der Besuch der Stadt, just zu diesem Zeitpunkt im Jahr, ist wirklich empfehlenswert.


Kommentare:

  1. Very interesting to read,and also see Big Boys,
    having lots of fun at Play!
    Congratulations on this posting.BB

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  2. Thanks for your comment Paul. And yes indeed. They really have fun. Me to.😊😊

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