Samstag, 10. September 2016

Musée de la guerre de 1870 et de l'annexion - Gravelotte


Si vous cherchez une salle du trésor, je vous demande de visiter la Musée de la guerre de 1870 et de l’annexion dans le petit village Gravelotte, près de Metz.
La nouvelle musée ouvrait ses portes en 2014 et permet une expérience tri-langue. Chaque description est en allemande, anglaise et française. Non seulement les descriptions, mais encore les nombreux vidéos. Pour cela, un audioguide n’est pas nécessaire.
Il y a une collection fantastique des armes, uniformes, casques et tableaux. Je n’ai jamais vu une exposition si impressionnante concernant ce conflit.
On peut voir la fameuse trompette de Gravelotte, l’uniforme original de General Decaen, une mitrailleuse, les restantes pièces de la grande peinture panoramique à Rezonville, etc.
Chaque uniforme est décrit. On apprend beaucoup de ce conflit et la situation politique en Europe.
En outre, on peut voir, que la fusion politique, pour des raisons militaire, n’était pas seulement une manœuvre allemande. L’Italie aussi était unie comme l’Allemagne dans le même temps et dans la même manière.
La présentation de l’exposition est neutre. Le côté des français est expliqué, mais aussi le côté des allemands. Ni préjugés, ni tendances. Ça, c’est vraiment génial.
A mon avis, c’est l’un des musées la plus objective, que j’ai jamais vu.  Et souvenez-vous, que je suis un allemand ne pas un français !
Amusez-vous bien avec les images !


If you are a looking for a treasure chamber, than, please, visit the Museum of the Franco-Prussian War in the small village Gravelotte, in the vicinity of the french town Metz.
The new museum opened its doors in 2014. It is tri-lingual. Every description in french-german-english.
The language of videos for example can also be switched. So you need no audioguide.
There is a fantastic collection of uniforms, helmets, paintings and weapons. The most impressive collection I have seen regarding that conflict.
You can see the famous trumpet of Gravelotte, the original uniform of General Decaen, a mitrailleuse, the remaining originals of the huge Panorama painting in Rezonville and so on, and so on.
Every uniform is explained. You can learn a lot about the conflict and the political situation in Europe.
You can learn, that the political unification by means of war wasn’t only a german uniqueness. Also Italy was united in the same way, at the same time.
The exhibition in the museum is presented really neutral. The french side is explained, but also the german side. With no bias, no tendency.
That’s really great.
In my opinion, it is one of the most objective museums I have ever visited. And, keep in mind, I’m a german and not a french.
Have fun with the pictures.



„…Was man hier über den Deutsch-Französischen Krieg und seine weitreichenden Auswirkungen erfährt, ist auf dem neuesten Stand der Forschung. Wohl noch nie wurde in einem französischen historischen Museum der deutsche Blickwinkel auf die Geschichte so sehr miteinbezogen. Das beginnt schon bei der Erklärung der Kriegsursachen. Sie werden hier in den europäischen Kontext und die Machtpolitik bei der Bildung der Nationalstaaten im 19. Jahrhundert gestellt. Krieg galt damals noch als legitimes Mittel der Politik. Auch der Kriegsverlauf wird, könnte man fast sagen, unparteiisch nacherzählt. Auch preußische Augenzeugen werden zitiert, Uniformen beider Seiten nebeneinander präsentiert…“  (Saarbrücker Zeitung vom 22. April 2014)
Sicherlich war dieser Artikel der Saarbrücker Zeitung auch ein Hauptgrund für mich richtig gespannt nach Gravelotte zu fahren. Zum zweiten Mal wohlgemerkt, weil bei unserem letzten Besuch das Museum ja noch im Winterschlaf lag.
Sollte das wirklich stimmen? Objektive, abwägende, unparteiische Darstellung dieses Konfliktes?
Für mich kaum vorstellbar, ist doch die Geschichte Elsaß-Lothringens überschattet von den Vorgängen und Entwicklungen aus dem Einigungskrieg von 1870/71, dem I. Weltkrieg und dem II. Weltkrieg.

Das Museum ist ja völlig neu gebaut, und erst im Jahr 2014 eröffnet worden. Das merkt man schon beim Betreten der Eingangshalle. Sehr modernistisch, sachlich, strukturiert.


Als wir an dem Tag ankamen, hatten wir das Glück, oder auch Pech, dass der Eintritt frei war. Toll, weil man Kosten spart, schlecht, weil doch wirklich ziemlich viele Besucher da waren, und somit nicht jeder Blick auf jedes Exponat möglich war, und die Fotos auch teilweise aus einem schlechten Blickwinkel aufgenommen werden mussten.
Ich konnte mich halt nicht wie sonst quasi buchstäblich vor jede Vitrine legen, um sie entsprechend aus allen Blickwinkeln abzulichten.
Was für mich natürlich auch zu prüfen war, blieb der nachfolgende Satz aus dem oben zitierten Artikel der Saarbrücker Zeitung:
„..Nein, das neue Musée départemental in Gravelotte mit seiner Dauerausstellung und 600 Exponaten auf 900 Quadratmetern ist kein Erlebnis- oder gar Mitmach-Museum, das seinen Besuchern nahebringen will, wie sich Krieg anfühlt. Es gibt sich eher spröde…“
Na so ganz weiß ich wirklich nicht, wie man ein Museum konzipiert, dass zeigt wie sich Krieg anfühlt. Die von mir besuchten Militärmuseen versuchen dies ja teilweise mit Multimedia Effekten zu erreichen. Aber so richtig gelingt das dann ja auch nicht. Es ist eher Hollywood bzw. Warner Brother Movieworld.
Museen, die zeigen würden, wie sich Krieg anfühlt, würden verboten werden.
Aus Sicherheitsgründen.
Selbst wenn ich nur den Krach darstellen wollte, wäre das nicht machbar, weil einfach zu laut.
Ich möchte jetzt aber nicht den Artikel zerpflücken, denn er ist ja objektiv und gut geschrieben.
Die Autorin will damit halt nur sagen, dass das Museum schon klassisch, also mit Texten, Waffen, Uniformen, Gemälden etc. in Vitrinen daherkommt. Das ändert allerdings nichts an ihrer Wertung, die ich ja eingangs zitiert habe.
Für Sie meine lieben Leser bedeutet das: Sie können ein Museum direkt an der deutsch-französischen Grenze besuchen, das umfassend und objektiv mit einer beeindruckenden Zahl an Exponaten einen Krieg thematisiert, der in Deutschland fast vollständig in Vergessenheit geraten ist, wird er doch durch die spätere Entwicklung mit I. und II. Weltkrieg völlig überlagert.
Die erste Vitrine zeigt schon einen wunderbaren Überblick über französische und deutsche Kopfbedeckungen des Krieges.

Ach ja. Die sahen noch gut aus. Einfach schön diese Teile.




Denkt man.
Das ist Konzept, denn danach wird man in einem fast dunklen Raum, der in schwarz-rote Farben getaucht ist, mit der Realität konfrontiert: Wie heißt es in einem  Lied der Befreiungskriege: „Pulver ist schwarz, Blut ist rot, golden flackert die Flamme.“ Ja, so sieht es irgendwie aus.

Die berühmte zerschossene Trompete von Gravelotte, Helme, Waffen, ein Kürass, alles gezeichnet von Spuren der Schlacht: Schrammen, Dellen, Löcher. Dazu noch explodierte Granatenteile. Ein bizarrer Anblick, und nebenbei: Ein gutes Entrée. Nichts beschönigen, sondern direkt die Ergebnisse zeigen. Das gefällt mir.






Im nächsten Raum wird dann erklärt, wie es überhaupt zu dem Krieg kam. Dabei werden auch Tendenzen in anderen Teilen Europas, insbesondere Italien, mit untersucht. Die wissenschaftliche Literatur beschreibt diese Epoche ja auch bezeichnenderweise als Epoche der Einigungskriege.



Auf zwei Großportraits schauen einen dann auch die Kaiser beider Länder an. Napoleon III. und Wilhelm I.


Bereits hier fällt dem Betrachter etwas auf.
Das Museum ist dreisprachig; alles in Französisch-Deutsch-Englisch. Na und dies auch noch gut übersetzt.
Aber nicht nur das. Mein Begleiter Sven wies mich im späteren Verlauf auf eine Tatsache hin, die ich selbst gar nicht direkt erfasst hatte. Die Reihenfolge der Sprache ändert sich!!!!
Zu Beginn und bis zum Ende des Krieges, also in den ersten Sälen, ist die Reihenfolge Französisch-Deutsch-Englisch.
Der Teil des Museum, der sich dann mit der Annexion und dem Reichsland Elsaß-Lothringen befasst, katapultiert dann die deutsche Sprache auf Platz 1. Neue Reihenfolge der Beschriftung: Deutsch-Französisch-Englisch.
An diesem kleinen Detail sieht man die Objektivität des Museums quasi sinnbildlich. Vorbildhaft.
Der nächste Saal, den man direkt anschließend betritt, ist dann voller Exponate: Uniformen, Waffen, Gemälde. Auf Bildschirmen kann in Videos der Kriegsverlauf nachverfolgt werden. Auch hier sind unterschiedliche Tonspuren wählbar, d.h. man braucht auch keinen Audioguide.






Die Gemälde sind nicht „einfach nur so“ ausgestellt, sondern sie werden erklärt, typologisiert, thematisiert.





Man erfährt, warum dieses Motiv gewählt wurde. Richtig klasse. Ein Beispiel:
„1872 thematisiert Harrach, obwohl die Lage noch sehr angespannt ist,  in diesem Gemälde die Waffenbrüderschaft. Ein verwundeter preußischer Soldat reicht einem Turko seine Feldflasche, ungeachtet der Tatsache, dass Turkos in Deutschland einen schlechten Ruf haben. Eine selten friedliche Szene …"

Der Verlauf des Krieges wird durch Tafeln chronologisch dargestellt, beginnend mit dem französischen Scharmützel in Saarbrücken bis zum Frankfurter Friede.
Die Uniformauswahl ist riesig. Hier ein Überblick über die Vitrinen.

Man sieht Infanterieuniformen, Kavallerieuniformen und Artillerieuniformen beider Seiten, Uniformen der französischen Garde. Alles genauestens an den Vitrinen erklärt. Sogar die verschiedenen Regimenter werden benannt. Ja es geht sogar so weit, dass auch auf Uniformunterschiede der einzelnen beteiligten deutschen Truppen explizit hingewiesen wird.







Man findet Generalsuniformen gegenübergestellt, sogar die Originaluniform des bei Borny gefallenen Generals Decaen.

Im Bereich zur Schlacht bei Rezonville überwiegen die Kavallerieuniformen, bei Gravelotte finden sich weitere Uniformen sowie beispielhaft Mitrailleuse und Artillerie, weil diese Waffengattungen hier eine entscheidende Rolle spielten.










Diese thematische Führung wird sich natürlich nicht jedem Besucher sofort erschließen. Jemand, der sich mit den einzelnen Schlachten bisher nicht beschäftigt hat, der sieht in erster Linie erst einmal nur Uniformen.

















Liest der Standardbesucher aber die Texttafeln, dann wird sich auch ihm die Konzeption erschließen.
In diesem Bereich des Museums ist dann auch wieder eine Abteilung mit Schlachtgemälden, die die Kämpfe zwischen dem 16. und 18. August zum Thema haben.








Ich finde, dass auch hier die beschreibende Tafel erneut extrem gut gelungen ist:
„Die Gefechte rund um Metz: Die Wiedergabe der Brutalität des Kampfgeschehens in der Kunst.  Obwohl die vorhergehenden Feldzüge mörderisch waren, vor allem der Italienfeldzug (1859) werden sie in Darstellungen beschönigt.  Die große Historienmalerei, die die Druckgrafik populär gemacht hat, soll der Erbauung dienen. Doch 1870 haben sich Rezonville, Mars-La-Tour und Gravelotte tief in das kollektive Gedächtnis Frankreichs und Deutschlands eingebrannt, und die Maler machen es sich zur Aufgabe, die Brutalität des Kampfgeschehens wiederzugeben. Der Kampf der Kavallerie wird zum Anthologiestück. Das Kampfgemenge und die Brutalität der Zusammenstöße sind ein häufiges Motiv. Die Wucht der Geschosse und die Verwüstungen, die sie auf dem Schlachtfeld anrichten – die Verluste sind extrem hoch -, ziehen ebenfalls die Aufmerksamkeit der Künstler auf sich.“
(Tafel im Museum)
Das erklärt die Bilder sehr gut. Ohne diese Ausführungen kämen sie uns vielleicht als heroisch vor; immerhin stammen sie aus einer Zeit, wo die Grenzen zwischen Verherrlichung und Anklage doch oftmals fließend sind, und von einem modernen Betrachter nicht immer erkannt werden.
Weiter geht es dann mit den Auswirkungen der Schlacht.
Das Schlachtfeld als solches mit zerstörten Dörfern und Gehöften, aber auch mit den Folgen. Dem weiteren Kriegsverlauf bis Sedan, der Belagerung von Metz und dem weiteren Kriegsverlauf unter der Republik.














Uniformen der Franctireurs und der Miliz werden zum Abschluss dargestellt, ebenso wird das Thema Tod und Verwundung thematisiert.






Jetzt kommt der Besucher zu dem Teil der Ausstellung, der sich mit dem sogenannten Reichsland Elsaß-Lothringen befasst. Uniformen finden sich hier ebenfalls. Pickelhauben nichtmiltärischer Einheiten, Uniformen von Regimentern, die im neuen „Reichsland“ stationiert wurden.







Aber auch der eher zivile Part der Besatzungs- und Annexionszeit wird unter diversen Aspekten gezeigt.






Ein paar Schlagworte: Politische und administrative Strukturen, Germanisierungsversuche Deutschlands, Revanchegefühle Frankreichs, die verlorenen Provinzen, der Kaiser und das Reichsland, „Erinnern und Gedenken“ beider Seiten, Ehrung der Toten und des Vaterlandes, Traditionsverbände, von einer Annexion zur nächsten.








Einen großen Raum nehmen natürlich auch Originalteile des ehemaligen Panoramagemäldes von Rezonville ein (zum Zeitpunkt unseres Besuches gab es noch eine Sonderausstellung im Erdgeschoss des Museums, die sich ebenfalls mit dem Panorama beschäftigte).













Zum Abschluss noch einmal der Artikel aus der Saarbrücker Zeitung:

„Ein Projekt der deutsch-französischen Versöhnung soll das Museum sein, hatte Generalratspräsident Patrick Weiten erklärt. Mit diesem Kapitel unternimmt das Département einen ersten Schritt, das deutsche „Erbe“ in seine Identität zu integrieren. Und gerade das ist nicht nur mutig, sondern auch sehr spannend.“

Das kann ich nur bestätigen.
Das Museum bekommt von mir eine absolute Besuchsempfehlung. Die Thematisierung des Deutsch-Französischen Krieges ist hier um Längen besser als im Zeughaus in Berlin, im MHM Dresden oder erst recht als im MGM Rastatt.
An alle Besucher. Nehmt Euch bitte einen ganzen Tag Zeit. Morgens am besten die Monumente besichtigen, die es in der Nähe gibt, nachmittags in das Museum. Na und denkt dran. Wenn Ihr das Museum intensiv erfahren wollt, seid ihr schon Minimum zwei Stunden beschäftigt. Wenn Ihr alle Tafeln lesen wollt, rechnet mal mindestens eine Stunde drauf.
Ich bin aber der Meinung … Es lohnt sich. Jede Minute.

Kommentare:

  1. Thank you for your post. There are many items here that I have long wanted to see. A wonderful museum and a very good job of illustrating it. Thank you again.

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  2. Merci pour ce très bel article et pour ces magnifiques photos...Ce musée est un bijou!

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  3. Klasse Post, vielen Dank für das Teilen der Bilder!

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  4. Klasse, interessant und schöne Fotos - Danke!

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  5. Wonderfull! Thanks for sharing!

    Greetings
    Peter

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  6. Thank you all, merci beaucoup und vielen Dank Euch allen.
    Ein wirklich fantastisches Museum, das einfach viele Besucher verdient.

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