Samstag, 6. August 2016

Schinderhannes in Dotzweiler - Ein Tabletopspiel

Commissaire Ducos lächelte. Der Bürgermeister des kleinen Hunsrückdorfes Dotzweiler stand vor ihm mit guten Nachrichten.

(links La Tête, mein alter ego, rechts Ducos)

Ja was soll man sagen: Bürgermeister Kopp, beziehungsweise  le Maire La Tête, wie er sich nunmehr nannte, hatte perfekte Nachrichten.
„Ja wirklich Msr. Le Commissaire. Es ist genau wie ich es beschreibe. Da kommt doch auf einmal der Schinderhannes über meine Dorfstraße spaziert. Über MEINE Dorfstraße. Ich meine, dass kann ja wohl nicht wahr sein. Dass er sich in Simmern oder in Kirn rumtreibt, na das ist ja schon normal. Aber doch nicht bei mir in Dotzweiler. Was ist mit der öffentlichen Ordnung? Was ist mit unserem Rechtsstaat? Das kann ja wohl nicht wahr sein, dass da so ein Verbrecher einfach mal so in einen Ort kommt und den ausspioniert.“
„Und was habt Ihr dann dagegen getan La Tête?“
„Ich habe natürlich sofort meine Bürgerwehr zusammengetrommelt“, verkündete der Bürgermeister mit stolzgeschwellter Brust und einem zufriedenen Grinsen.




Ja, André La Tête war schon ein guter Bürger seines neuen Landesherrn. Den Erzbischof in Trier hatte er nie so gemocht. Das war ihm alles zu unmilitärisch, zu kirchlich, nicht frei genug. Wie alle anderen Bürger in Dotzweiler war er natürlich überrascht als die Franzosen kamen, und kurze Zeit später verkündeten, dass auch Dotzweiler jetzt Teil des großen Landes Frankreich wäre.
Einige Bauern fanden das gar nicht gut. La Tête, zu diesem Zeitpunkt hieß er ja noch Kopp, sah das Ganze nicht so eng. Er hatte Verwandtschaft im Elsaß und war schon mehrere Male dorthin gereist. Vor allem die große Stadt Straßburg hatte es ihm angetan, gefiel ihm doch die dortige gotische Kathedrale weitaus besser, als die Dome in Trier oder Mainz.
Er selbst hatte auch recht gut französisch sprechen gelernt, und deshalb konnte er seine Mitbürger schon etwas beruhigen. Er wusste was die Franzosen wollten, konnte mit Ihnen sprechen, den Bürgern Ängste nehmen, für die alles Fremde, andersartig, ja geradezu abartig erschien.
So war es nicht weiter verwunderlich, dass Kopp dann kurze Zeit später von der französischen Militärverwaltung zum Bürgermeister, Le Maire, des Dorfes ernannt wurde. Die Bürger von Dotzweiler waren begeistert. Die Franzosen waren begeistert. Na und Kopp, dessen erster Amtsakt die Umschreibung seines Namens in La Tête war, war einfach am meisten begeistert.
„So, so die Bürgerwehr.“
„Natürlich Msr. Le Commissaire. Eine durchaus tapfere Truppe, die ich da aufgestellt habe.“
„Na und was habt Ihr gemacht?“
„Wir sind natürlich SOFORT zu Euch geeilt, um uns unter Euer Kommando zu stellen.“, rief La Tête begeistert aus.
Ducos sagte nichts. Auch sein Lächeln veränderte sich nicht. Aber in seinem Kopf hämmerte nur ein Satz:  ‚Warum nur habe ich mir das genauso schon gedacht.‘
Diese Deutschen widerten ihn an. Ihn den Major Ducos, der nunmehr seit ein paar Monaten auf dem neuen Posten direkt an der Grenze Frankreichs in Mayence, der alten Stadt Mainz, seinen Dienst verrichtete.
Er hatte vom Polizeiminister einen Sonderauftrag bekommen. Er sollte sich um das Räuber- und Bandenwesen in der Region kümmern und für Ruhe und Ordnung sorgen. Er sollte es ausrotten; und ja, Ducos nahm seine Rolle sehr ernst. Er war bisher auch ziemlich erfolgreich mit seiner Strategie gewesen. Nur einer der Räuberhauptmänner war ihm und seinen Gendarmen bisher entwischt, und das war Johannes Bückler, der von allen der Schinderhannes genannt wurde.
Gegen den wollte er nun persönlich vorgehen. So hatte er mit einem Gendarmentrupp, und einer Einheit französischer Soldaten, die ihm unterstellt worden waren in Simmern im Hunsrück sein Quartier bezogen. Irgendwann, das wusste er, würde der Schinderhannes unvorsichtig werden.
Na und jetzt schien es so, als wenn dieser Zeitpunkt gekommen wäre.
„Ja, und meint Ihr denn, dass der Schinderhannes jetzt auf uns warten wird?“, fragte Ducos den Bürgermeister.
Geradezu beleidigt antwortete La Tête:
„Aber Msr. Le Commissaire. NATÜRLICH habe ich ihm eine Falle gestellt. Wie soll ich es sagen. NATÜRLICH hat sich eine unserer, na ja, nennen wir sie mal… freizügigeren Damen um ihn gekümmert, und ihm danach einen Schlaftrunk gegeben. Er liegt noch in irgendeinem Haus und schläft. Dummerweise weiß nur die Dame, wo er sich hinbewegt hatte, na und die ist seit heute Morgen nicht mehr aufzufinden. Hat wohl Angst vor dem Julchen.“
„Julchen?“, fragte Major Ducos.
„Das ist die Geliebte des Schinderhannes. Na und wo der dann auftaucht, sind seine Spießgesellen, der Schwarze Peter und Julchen mit ihren Banden natürlich auch nicht weit.“
Jetzt hellte sich die Miene des Commissaires auf. ‚Na vielleicht ist dieser Deutsche hier ja doch nicht so schlecht‘, dachte er.
„Das hört sich ja gar nicht verkehrt an, La Tête. Dann werde wir jetzt schnell aktiv werden, bevor die Räuberbande nach Dotzweiler kommt.“





Hektik brach nun in dem kleinen Amt in Simmern aus, als Ducos damit begann Befehle zu erteilen. Nach einer halben Stunde war man abmarschbereit.
Ducos vorneweg; ihm folgte eine Alarmeinheit französische Infanterie sowie eine Einheit mit relativ frisch ausgehobenen Gendarmenrekruten, die von zwei erfahrenen Gendarmen geführt wurden. Das dumme an der letzten Einheit war, dass die Erfahrenen schlecht Deutsch, die Jüngeren gar kein Französisch verstanden.
Am Ende folgte dann der stolze Bürgermeister La Tête mit seiner stolzen Bürgerwehr.
Als die Einheiten vor dem Dorf ankamen, teilte Ducos sie auf. Er selbst und die Einheit französische Infanterie bewegten sich auf die Hauptstraße des Dorfes zu, die an der Kirche vorbei zur Dorfmitte führte.


Die Gendarmen sollten westlich davon das Dorf umgehen und diese Seite sichern, falls der Schinderhannes versuchen würde zu fliehen.

Der Bürgermeister sollte mit seiner Bürgerwehr dieser Einheit folgen, weil er zum einen bei Sprachproblemen helfen konnte, er zum anderen natürlich auch das Dorf kannte, und so eventuelle Schleichwege nutzen konnte.

Vom Schinderhannes oder den anderen Räubern war nichts zu sehen. Die Infanterie und Ducos bewegten sich zur Kirche. Die erste Befragung des Pfarrers scheiterte, verstand er doch kein Französisch. Ducos schaltete sich ein, konnte aber nur erfahren, dass der Schinderhannes nicht in der Kirche war: Beim Ehrenwort des Pfarrers.

Die Gendarmentruppe hatte derweil nichts Besseres zu tun, als sich ohne Deckung auf der Straße voran zubewegen. Der Bürgermeister schlich sich derweil am ersten Haus vorbei und führte seine Bürgerwehr nach vorne.
Plötzlich tauchten die Räuber auf. Aber anstatt zu schießen, schauten sich die Gendarmen erst einmal dumm an. Was sollte man tun?


Die Antwort kam von den Räubern. Gezielte Schüsse wurden ohne Vorwarnung abgegeben, und zurück blieben nur noch die beiden erfahrenen Gendarmen, die durch einen im Weg stehenden Baum geschützt worden waren.
Die beiden verbliebenen Gendarmen hechteten hinter einem Plumpsklo in Deckung und atmeten erst einmal laut durch.





Die Dorfmiliz, nebst La Tête, waren so schockiert, dass sie zu einem anderen Haus in Deckung liefen. Von hier versuchten sie auf die Räuber zu feuern. Aber sie waren zu nervös um zu treffen.

Völlig unbelastet von diesen Geschehnissen hatte ein weiterer Trupp Räuber damit begonnen Kühe zu stehlen. Vorräte waren halt immer wichtig. Na und die Franzosen waren erst einmal in Deckung gegangen.

Ducos hatte von alldem nichts mitbekommen. Er brachte seine Einheit über die Straße und führte seine Befragung im naheliegenden Haus fort.
Plötzlich wurden auch hier die Räuber gesichtet. Ein Schusswechsel hob an.




Überall durch das Dorf waberte langsam der Pulverqualm.
Ducos Trupp stürmte nach vorne; hinter Leiterwagen Deckung suchend. Die Räuber zielten gut. Deshalb mussten sich die Soldaten unter Verlusten zurückziehen.




Von Schinderhannes fehlte jede Spur.
Auf einmal ein Schrei.
„Da hinten ist er. Hinter der Kutsche. Fasst ihn.“
Doch wer sollte ihn fassen.
Wer anders als La Tête. Alles um sich herum vergessend, stürmte er mit seiner Bürgerwehr in den Nahkampf. ER wollte sich durch den leicht bewaffneten Räubertrupp hacken,  um so zu Schinderhannes zu kommen. Ein blutiger Nahkampf begann.



Was er nicht bemerkt hatte. Dass das Flintenweib Julchen einen weiteren Trupp in den Rücken der Franzosen geführt hatte, der nunmehr kurzen Prozess mit den überlebenden Gendarmen machte.



Schinderhannes selbst sah den Bürgermeister und griff in den Nahkampf ein. Ein Hauen und Stechen begann und am Ende … blieb nur noch der Bürgermeister übrig.
Er zögerte. Sollte er fliehen, sollte er kämpfen, sollte er sich ergeben.
Er entschied sich für das letztere.
‚Ich muss auch noch in der Zukunft für mein Dorf und Frankreich da sein. Vive la France.‘ Dachte er, als man ihn abführte.



Der Rest der französischen Infanterie wurde dann noch von dem Trupp des Schwarzen Peters zerschlagen.




Ducos bekam davon nichts mehr mit. Er hatte sich vom Schlachtfeld geschlichen.

‚Morgen ist auch noch ein Tag‘, dachte er. ‚Rache ist süß.‘


Das Szenario hat sich diesmal viel besser angefühlt, als in unserem AWI Setting. Die Helden Ducos und Schinderhannes konnten schon etwas bewegen. Ich selbst habe natürlich wie immer stümperhaft gespielt, so dass die Räuber einfach gewinnen mussten.
Ich fand es toll, dass meine Schinderhannesfiguren mal nach Jahren auf den Spieltisch kamen.
Svens modulare Platte hat sich mal wieder bewährt.
Für alle Interessenten anbei die Szenariobeschreibung, die sich Sven ausgedacht hatte. Ohne seine Gedanken zum Szenario wäre das auch nicht so spannend verlaufen.


Szenario „Schinderhannes“
Der Schinderhannes treibt im Hunsrück sein Unwesen. Er raubt, stiehlt und erpresst die Bevölkerung. Angeblich nur die Reichen und Schönen, und angeblich gibt er die Beute den Armen. In der Bevölkerung wird er der „Robin Hood vom Hunsrück genannt.
Das stimmt so nicht, denn er stiehlt,  was er bekommt, und was er zu Geld machen kann.
Der Hunsrück ist von den Franzosen besetzt, und die versuchen mit allen Mitteln den Schinderhannes und seine Bande in ihre Hände zu bekommen, um ihm den Prozess zu machen. Der ortsansässige Bürgermeister möchte sich bei der neuen Regierung beliebt machen und unterstützt den Commissaire Ducos bei seiner Suche nach der Räuberbande.

Siegesbedingungen für die Franzosen
 Den Schinderhannes festnehmen und ins Gefängnis zu werfen 20 Siegpunkte
 Der Schwarzen Peter festnehmen und ins Gefängnis zu werfen 10 Siegpunkte
 Julchen festnehmen und ins Gefängnis zu werfen 10 Siegpunkte

Einschränkungen
 Wenn der Schinderhannes getötet wird, gibt es -20 Siegpunkte und einen Moraltest für die Bürgerwehr, ob sie zur Schinderhannes-Bande überlaufen.
 Wenn Julchen getötet wird, wird der Schinderhannes zum Berserker (-10 Siegpunkte) und will Commissaire Ducos töten (+20 Punkte für die Schinderhannes-Bande)
Siegesbedingungen für den Schinderhannes
 Den Bürgermeister festnehmen 10 Siegpunkte
 Die Franzosen aus dem Dorfe vertreiben 10 Siegpunkte
 Für jede geraubte Kuh je 5 Siegpunkte
(Für 2 geraubte Kühe einen Moraltest für Zivilisten, ob sie sich der Bürgerwehr anschließen)
Beteiligte Einheiten:

Franzosen
- „Commissaire Ducos“ Initiative 5/ Score 5/ Hero
- „Französische Infanterie“  Initiative 3/ Score 7/ Veteran/ 6 Mann
- „Gendarmen“ Initiative 2/Score 7/Trained/ 6 Mann
- „Bürgerwehr des Bürgermeisters“ Initiative 1/ Score 7/ Raw/ 10 Mann

Räuber
- „Schinderhannes“ Initiative 5/ Score 5/ Hero
- „Der Schwarze Peter und seine Mannen“ Initiative 3/ Score 7/ Veteran/8 Mann
- „Julchen und Ihre Recken“ Initiative 2/ Score 7/ Trained/  8 Mann
- „Freiheit für den Schinderhannes“ Initiative 1/ Score 7/ Raw/ 10 Mann

We’ve played a Triumph&Tragedy game with my „Schinderhannes“ miniatures.
Johann Bückler, nicknamed Schinderhannes, was a german outlaw and highwayman, living in my homeregion, near the river Rhine and the city of Mainz, at the end of the 18th century.
His main theatre of operation was on both sides of the Rhine, which was between 1792 and 1815 the border between revolutionary France and the Holy Roman Empire.
At that time, the west bank of the Rhine was under French occupation.  The new authorities had to secure their rule, and because of that, there was a decline in security all around.
The scenario is fictional. There was no gang figthing in the region.  But it’s a fun to play it.
We used the following miniatures (Foundry and Dixon miniatures. Some Dixons with headswap. Here I’ve used Victix heads):

French
- „Commissaire Ducos“ Initiative 5/ Score 5/ Hero
- „French Infantry“  Initiative 3/ Score 7/ Veteran/ 6 Mann
- „Gendarms“ Initiative 2/Score 7/Trained/ 6 Mann
- „Militiatroops“ led by the mayor of the fictional village Dotzweiler Initiative 1/ Score 7/ Raw/
    10 Mann

Outlaws
- „Schinderhannes“ Initiative 5/ Score 5/ Hero
- „Black Peter and his fellows“ Initiative 3/ Score 7/ Veteran/8 Mann
- „Julchen and her guys“ Initiative 2/ Score 7/ Trained/  8 Mann
- „Freedom for Schinderhannes Gang “ Initiative 1/ Score 7/ Raw/ 10 Mann

Victory points for the french

- to catch Schinderhannes and arrest him (20 victory points)
- to catch his fellow „Black Peter“ and arrest him (10 victory points)
- to catch Julchen, the wife of Schinderhannes and arrest her ( 10 victory points)

Features for the french side:

- If Schinderhannes is killed, the french get -20 malus points. The Militia had to perform a morale check. If the check failed, the militia changed sides and becomes part of the Schinderhannes gang.
- If Julchen is killed, Schinderhannes runs berserk (- 10 victory points) and his main aim is to kill Ducos. If he is successfull, the Schinderhannes gang gets 20 extra victory points.

Features for the Schinderhannes side:

- to catch the Mayor (10 victory points)
- to expel the frenchs and their fellows out of the village  (10 victory points)
- for each stolen cattle   (5 victory points)
- if 2 cows, pigs or sheeps are stolen, the civilians perform a morale check. If the check failed the civilians become part of the militia.

The game lasted for 2 hours. It was a total victory for the Schinderhannes troops. They achieved all victory points.
First of all, the Gendarm unit was destroyed. Some cattle was stolen, and was taken away from the battlefield. In a melee the militia was cut to pieces. The mayor was catched by the outlaws. The hero Schinderhannes performed very well in the fightings.
On the right flank there was a lot of shooting. Finally, the french infantry lost the fight.
Ducos escaped.

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