Mittwoch, 3. Februar 2016

Franz von Sickingen - Ein Ritter, ein Condottiere, eine Ausstellung

Im September war es, als ich den Mittelaltermarkt in Bad Münster am Stein/ Ebernburg besucht hatte. Einige von Euch haben sicherlich meinen Bericht dazu gelesen.

Seit diesem Zeitpunkt bin ich ja wirklich leicht infiziert, mit einer Epoche, die ich lange Zeit gar nicht so auf der Uhr hatte.
Dabei handelt es sich ja um eine Zeitspanne, die für die deutsche Geschichte, ja die Weltgeschichte entscheidend ist. Es ist der Übergang vom Mittelalter zur frühen Neuzeit. Neue Welten wurden entdeckt, eine neue Religion wurde aus der Taufe gehoben. Luther prägte zunächst die deutsche, später aber auch indirekt die europäische Geschichte. Man sollte später von der Epoche der Religionskriege sprechen.
Aber ... wir befinden uns ja noch am Anfang der Geschehnisse, in der Zeit zwischen 1500 und 1523.
Na und wir wollen uns mit einem speziellen Protagonisten dieser Zeit, eben Franz von Sickingen auseinandersetzen.



Für mich war es ja ein glücklicher Zufall, dass just zu dem Zeitpunkt, wo ich Franz für ein Tabletop Projekt entdeckte, auch im Landesmuseum Mainz eine Ausstellung zu seinem Leben organisiert worden war.
Nichts wie hin dachte ich mir. Da musst Du gucken, Fotos machen und einen Riesenbericht in Deinem Historienblog aufmachen, um möglichst viele Menschen nach Mainz zu locken.
(Ach ja. Man ist ja immer so überzeugt von der Werbewirksamkeit des eigenen Geschreibsels. ;-))
Gesagt, getan.
Ich also an einem freien Tag nach Mainz – ich finde es ja schon klasse, dass ich in meinem Job generell unter der Woche frei habe. Da entgeht man halt dem ganzen Wochenendtrubel und kann fast alleine durch solche Ausstellungen lustwandeln.
Ich war schon richtig happy, als ich das Ausstellungsplakat an der Golden Roß Kaserne in Mainz – einem ehemals kurfürstlichen Barockbau, der heute das rheinland-pfälzische Landesmuseum beherbergt - prangen sah.




Das wird spannend, sagte ich mir.
Eintritt bezahlt, los geht’s.
Wie begeistert war ich, als mich im Foyer schon Banner bzw. ein vergrößertes Gemälde zu Ritterturnieren empfingen.



Mein positiver Eindruck wurde dann nochmals gesteigert, als ich die Rüstung eines Reiters direkt am Eingang in die Ausstellungsräume entdeckte und abzulichten begann.


Beeindruckt betrat ich den Raum und ließ mich von der Ausstellung einfangen. Aufgrund der Ausrichtung meines Blogs wollte ich auch nur die Sachen fotografieren, die Leute interessieren könnten, die genau wie ich, sich für Uniformen, Rüstungen und Militärgeschichte interessieren.
Da kamen aber im Grunde nur ein paar Ausstellungsstücke in Frage:
Die aus der Rüstkammer in Wien ausgeliehene Rüstung des hessischen Landgrafen Philipps von Hessen (1504-67), ein Fehdegegner Franz von Sickingens.

( Bild von der Seite www.landesmuseum-mainz.de )

Dann die vom Zeughaus Berlin ausgeliehenen beiden Rüstungen, die sehr gut und gekonnt im Zweikampf arrangiert wurden,

( Bild www.magazin.uni-mainz.de)

und die verschiedenen Rüstungsteile und Waffen in einem zweiten Raum der Ausstellung, die ich schon vorher abgelichtet hatte, bis ich dann merkte, dass ich die Ausstellung doch lieber in Raum 1 beginnen sollte.

( Bild www.Landesmuseum-mainz.de )

Chronologisch versteht sich.
Als ich dann schlußendlich den Harnisch Philipps – naaaaaaaaaaaatüüüüüüüüüüüüüüüüüüüürlich ohne Blitz -  abgelichtet hatte, wurde ich angesprochen, dass Fotografieren nicht erlaubt sei.
Ups dachte ich, denn im ganzen anderen Teil des Museums darf man fotografieren.
Ups dachte ich, ich kann Rüstungen mit einem Fotoapparat schädigen.
Ups dachte ich, ich habe doch die Rüstungen im Zeughaus in Berlin auch fotografieren können.
Ups dachte ich, darf ich denn bei meinem nächsten Besuch in Wien in der Rüstkammer auch nicht fotografieren (nur zur Beruhigung. Dort darf man das. Habe ich auch getan. Bericht wird folgen).
Ups dachte ich, was wird aus meiner Werbung für diese wirklich toll gemachte Ausstellung.
Ups dachte ich, was wird aus meinem geplanten Franz von Sickingen Bericht.
Ups dachte ich, was denken meine paar Leser, die sich bestimmt über meinen Artikel gefreut hätten.
Ein bißchen traurig war ich schon. Das könnt Ihr Euch vorstellen.
Dennoch genoss ich die Ausstellung, die wirklich sehr gut thematisiert war und sich mit den verschiedensten Aspekten des Lebens Franz von Sickingens beschäftigte, und natürlich auch Themen wie Luther und die Reformation abhandelte.
Zur Ausstellung selbst ist auch ein Buch erschienen, das ich jedem ans Herz legen möchte, der sich mit Franz von Sickingen beschäftigen will. Logischerweise werden hier alle Aspekte der Ausstellung wiedergegeben, nicht nur die militärischen:



Ich habe dann natürlich auch davon abgesehen über diese Ausstellung zu schreiben. Keine Bilder zu posten, zu verlinken. Ich bin ja ein guter, älterer, typisch deutscher Durchschnittsbürger.
ICH halte mich an Richtlinien. Mein Gott bin ich blöd.
Aber nachdem ich mittlerweile überall im Netz Bilder dazu finde, ärgere ich mich ein bisschen.
Was soll das? Gibt es eigentlich in manchen deutschen Museen Rechte für verschiedene Klassen? Natürlich dürfen Zeitungen berichten, aber auch die Blogs von irgendwelchen Mainzer Größen, die da wohl Sonderrechte eingeräumt bekommen.
Googelt selbst. Ihr werdet schnell sehen, was ich meine.
So etwas ärgert mich und finde ich auch schlecht.
Ich verstehe es absolut, wenn man in solchen Ausstellungen historische Schriften, oder Ausstellungsstücke aus Privatbesitz nicht ablichten darf.
Zum einen als Schutz, zum anderen wegen der Rechte von Privatpersonen.
Aber Rüstungen, die ich auch schon in anderen Museen abgelichtet habe.
Ich kann es nicht verstehen.
In den Wiener Museen ist das wunderbar geregelt. Da, wo man nicht fotografieren darf, gibt es Einzelhinweise. Na und was soll ich Euch sagen. Der Besucher hält sich auch daran, weil er selbst erkennt, dass es an diese Stelle irgendwie nachvollziehbar ist, nicht zu fotografieren.
Warum ging das nicht hier; warum geht das nicht in den Sonderausstellungen des Zeughauses in Berlin?
Ist das typisch deutsch? Ist das normal, das man im Ausland sich quasi kaputt fotografieren kann, es keinen interessiert, wenn man um Exponate rumschleicht, sich in die unmöglichsten Haltungen begibt, um ja jeden Zentimeter zu erfassen. Sind deshalb im Ausland solche Ausstellungen auch gefühlt besser besucht, während Du bei uns immer das Gefühl hast, dass Schulgruppen da durchgeprügelt werden, um überhaupt auf Besucherzahlen zu kommen.
Pah.
Ja ich weiß. Ich werte, behaupte, spitze zu, benehme mich wie die Generation Facebook, der es egal ist, Quellen zu zitieren.
Aber so bin ich, wenn ich sauer bin. Dann wüte ich, wie es sich für einen echten Widder gehört.
Pah.
Meine lieben Herrn und Damen Museumsdirektoren und -direktorinnen überlegt doch einfach mal Eure Konzepte.
Wir leben in einer digitalisierten Welt; wir leben in Zeiten eines oftmals propagierten Bürgerjournalismus. Warum nicht in Museen bei wirklich neutralen Geschichten?
Die Stücke aus der Römerzeit und dem Hochmittelalter, die ich dann in anderen Räumen des Museums abgelichtet habe, waren viel älter und schützenswerter als die paar Blechteile (oh. Das tut mir jetzt als Historiker richtig weh, dass ich aus Wut Blechteile geschrieben habe. Aber das bleibt jetzt so stehen, fertig).
Pah.
Wenn ich schon als Revoluzzer angesehen werde, vermumme ich mich jetzt auch.


Na und ich wage es auch die Links zu den Bildern einzustellen. Ja selbst wenn ich eigene hätte, HÄTTE ... ich muss sie ja gar nicht posten. Findet man ja alle im Internet.
Lächerlich.
Pah.

Ich möchte aber auch noch etwas zur Ausstellung und zu Franz schreiben, denn immerhin habe ich etwas gelernt.
Die Ausstellung hieß Ritter, Tod und Teufel? Franz von Sickingen und die Reformation und ging vom 21.5.2015 bis zum 25.10.2015.



Wer sehen will, was er verpasst hat, hier ein sehr gelungener FILM !!!! des Südwestfunks, den man sogar herunterladen kann (komisch, dass die Rüstungen da nicht geschmolzen sind, als da gefilmt wurde. Merkwürdig, dass der Südwestfunk  das überhaupt durfte.
„Salmei, Dalmei, Adomei“ würde Catweazle sagen. Ja, ja der Elektrik-Trick. TzTzTz).


oder hier der gleiche Film an anderer Stelle


Siehe auch:





Pah.

Den Flyer zur Sonderausstellung kann man auch herunterladen.
Pah.


„Ritter, Tod und Teufel“ ? Da klingelt es doch sicherlich bei einigen von Euch. Ja das berühmte Bild Albrecht Dürers.
Mit einer mannshohen Reproduktion des berühmten Bildes begann dann auch die Ausstellung.




Lange Zeit ging man davon aus, dass der dargestellte Ritter wirklich Franz von Sickingen sein sollte. Mittlerweile lehnt die Wissenschaft diese Betrachtungsweise ab.
Als Aufhänger der Ausstellung ist das Bild aber treffend.  Franz war einer der letzten Personen, die sich wirklich als Ritter empfand. Ein Condottiere, wie es in Italien hieß, ein Fehdeunternehmer, einer der als Modernisierungsverlierer – ein herrlicher Begriff für Ritter des ausgehenden Mittelalters – noch nach althergebrachter Sitte mit Fehden Geld verdienen wollte. Er stützte sich dabei auf altes, Gewohnheitsrecht, das der Wormser Landfriede von 1495 aber geändert hatte.
Als gutem Mafiosi war Franz das aber egal. Und als Ritter war es für ihn verbrieftes Recht auch mit Gewalt sein Recht durchzusetzen. Heute nennt man so etwas Warlord. Na und als solcher trat Franz auch auf.



Als  Mann wiederum, der wohl stark am Tod seiner Frau zu tragen hatte, war es ihm auch irgendwie egal, was passierte. 6 Kinder hatte er. Die Nachkommenschaft geregelt.
Hasardeurhaft legte er sich mit den Großen seiner Zeit an, bis hinauf zum Kaiser. Viel Feind, viel Ehr könnte man meinen.
Ein klassischer Held im Grunde; die ideale Vorlage für einen Dichter. Schade, dass Goethe nur den Goetz besungen hat.
Na und ein solcher Held pfeift halt auf neues Recht.
Im Mittelalter wurde mehrfach versucht das Fehderecht einzuschränken. Es wurden bestimmte Spielregeln aufgestellt. So musste eine Fehde förmlich mit einem Fehdebrief angezeigt werden, und die Fehde selbst durfte dann auch erst nach einer Karenzzeit von drei Tagen angefangen werden. Dies wurde bereits im 12. Jahrhundert festgelegt, und im Mainzer Landfriede von 1235 bestätigt. Das Fehderecht  wurde nunmehr bestimmten Verfahrensregeln unterworfen.
1495 kam es dann in Worms zur Ausrufung des ewigen Landfriedens und zur Schaffung des Reichskammergerichtes. Fehden wurden untersagt, Streitigkeiten sollten vor diesem geregelt werden.
Vielleicht gerade wegen dieser Institutionalisierung erlebte allerdings das Fehderecht nochmals eine späte Blüte. Die Ritter waren nämlich nicht am Prozess der Besetzung der Reichskammergerichtstellen beteiligt. Folglich fühlte sich der Niederadel auch nicht an diese Institution gebunden.
Die Fehde war immerhin ein anerkanntes Rechtsmittel über Jahrhunderte gewesen, dachten die Protagonisten vom Schlage eines Sickingers.
Natürlich gab es einen Rechtskodex, der eingehalten werden musste. Erst NACH dem erfolglosen Versuch der rechtlichen Einigung durfte der Adlige tätig werden. Clevere Menschen wie Franz schafften es allerdings sich Rechtsansprüche übertragen zu lassen.  Na und clevere Menschen wie Franz definierten das Recht auch so, wie es ihnen am besten passte.
Er, und auch andere Ritter, waren im Grunde so etwas wie moderne Inkassounternehmen.
Klar, dass die  Neuerungen mit dem Reichskammergericht Franz so gänzlich in die Quere kamen.
Viel zu modern. Na und was ist mit den gerade erworbenen Pfandrechten? Was ist mit den Schulden, die man so schön eintreiben konnte, nachdem man sie irgendjemandem für nen Appel und ein Ei vorher abgekauft hatte.
Musste man denn immer alles ändern? War das notwendig? Er dachte Nö.
Franz machte weiter.


(Fehdebrief Franz gegen Trier 1522,)


(Achtbrief gegen Franz 10.10.1522)


Die erste große Fehde führte er 1515 gegen die Stadt Worms. Dabei kam es sogar zu einer Beschießung der Stadt. Wenn schon, denn schon.
Franz wurde von Kaiser Maximilian geächtet, letztendlich auch deshalb, weil er seinen Angriff bereits vor Ablauf der rechtlichen Frist begonnen hatte. Das mit den Fristen nahm er nie so ernst. Das werden wir noch sehen.
1516 sah man ihn dann in Lothringen, wo er mit 1000 Reitern Gangolf II. von Rolandseck in seinem von Kaiser und englischem König finanzierten Zug gegen den Herzog von Lothringen unterstützte.
Als die Gelder ausblieben, wechselte Franz die Seiten und bot seine Dienste dem französischen König an, der noch kurz zuvor sein Gegner gewesen war (Na und jetzt meine lieben Leser erklärt mir mal eins. Wie kann dann eine wilhelminische Geschichtsschreibung Franz als „Vorkämpfer der deutschen Einheit und Größe“ feiern. So zumindest die Inschrift auf dem Denkmal zu Füßen der Ebernburg von 1889. Das ist doch unfassbar, oder? Franz war Condottiere. Ende.)
1517 einigte sich Franz nach einigem Hin- und Her – 1516 hatte Kaiser Maximilian sogar noch Truppen für eine Reichsexekution gegen Sickingen angefordert - dann mit Maximilian.
Maximilian brauchte den Condottiere an anderer Stelle: Die Fehde gegen Worms blieb ungestraft.
Im Gegenteil noch: Worms blieb auf seinen Kosten von 86.200 Gulden sitzen. So eine Verteidigung gegen einen fehdeführenden Ritter kostet halt Geld.
Nunmehr des Kaisers sicher führte Franz seine Unternehmungen fort. Eine Fehde – ich will es mal lieber einen Raid nennen – gegen die Reichsstadt Metz im Jahr 1518 brachte ihm über 20.000 Gulden ein.
Na kein Wunder war doch seine Streitmacht mittlerweile auf mehr als 1500 Berittene und Fußsoldaten angewachsen. Damit kann man dann schon einmal etwas reißen.
Der nächste auf der Liste war der junge hessische Landgraf Philipp. Sickingen nutzte dabei offensichtlich die Schwäche der Landgrafschaft aus, denn der junge Landgraf war gerade einmal 14 Jahre und stand bis vor kurzem noch unter der Vormundschaft adliger Ratgeber, an deren Spitze seine Mutter residierte.
(Ich sag es immer wieder: Wer braucht eigentlich Game of Thrones, wenn er auch einfach die deutsche Geschichte des Mittelalters verfilmen kann).
Diesmal ging es mit 1500 Reitern und fast 8000 Fußknechten über den Rhein. Wieder einmal gab es einen Grund, gab es irgendwelche banale Schulden, die einzutreiben waren, wieder einmal wurde der Fehdebrief im gleichen Moment abgeschickt, als man schon unterwegs war – mir doch egal wird er gedacht haben.
Erst einmal ein bisschen Geld vom Mainzer Domkapitel fordernd … Franz drohte damit durch Mainzer Gebiet zu ziehen…, was man dann auch erhielt, wandte sich Franz nach Darmstadt. Hier waren dann erst einmal die Belagerung und die Beschießung der Stadt, und das nette fröhliche Plündern der umliegenden Dörfer und Güter angesagt.
Nach einer Woche war die Stadt dann bereit Geld zu zahlen und noch ein paar weitere Knebelbedingungen zu unterschreiben. 35.000 Gulden mehr unter dem Kopfkissen. Ka- Ching.
Die 4000 Reichsthaler, die er so en passant noch im Frühherbst 1518 von der Stadt Frankfurt erpresste, waren dann ja fast schon eine Kleinigkeit.
Die Streitigkeiten mit den Hessen waren aber immer noch nicht zu Ende.
Auf der Seite des Landesmuseums findet sich ein Schmähbrief Franz von Sickingens gegen hessische Adlige aus dem Jahr 1520, der auch in der Ausstellung gezeigt wurde.



Eine klassische Schmähung des Gegners ihn kopfüber darzustellen.
Eine Tradition, die man heute noch in Fußballstadien symbolisch wiederfindet. Jüngstes Beispiel: Fans von Eintracht Frankfurt, die Fahnen der Darmstädter Lilien „erbeuten“, falsch herum aufhängen und anzünden. Just passiert in der Saison 2015/2016.



Franz von Sickingen konnte zu diesem Zeitpunkt auch deshalb so walten, da im Vorfeld der Kaiserwahl von 1519 – Maximilian war mittlerweile verstorben – beide Seiten um seine Truppen buhlten. Wer würde es werden: Franz I. von Frankreich,


oder doch Karl V. von Spanien.


(Bilder aus den beiden relevanten Wikipedia Artikeln)

Franz war mittlerweile so dick im Geschäft, dass er dann dem neu gewählten Kaiser Karl 20.000 Gulden leihen konnte. Damit war klar, auf welche Seite er sich gestellt hatte.
Es schien, man brauchte ihn.
Als Belohnung durfte er sich dann auch „Kaiserlicher Rat“ nennen (irgendwie erinnert mich die ganze Nummer immer mehr an „Generalissimus“ Wallenstein. Geht es Euch nicht auch so?).
1521 war er dann offizieller Kriegsherr des Kaisers. An der Spitze von 4000 Reitern und 15000 Fußknechten ging der „Generalissimus“  nach Frankreich gegen Franz I. Da können wir jetzt schon von einem Heer reden. Ein Fehdeunternehmen war dies natürlich nicht mehr.
Es ist nicht klar, ob diese Unternehmung von Kaiser Karl V. auch aus dem Grund geplant war, den Condottiere zu schwächen. Denn die Kriegsschulden – mehr als 76.000 Gulden plus die geliehenen 20.000 Gulden  - des Kaisers gegenüber Franz wurden vom Kaiser nicht erstattet. Natürlich nicht.
Franz sah ganz schön alt aus, und war im Grunde erst einmal aus dem politischen Spiel genommen. Wie gewonnen, so zerronnen, könnte man annehmen.
„Generalissimus“ hin oder her.
Wie gesagt, ich kann nicht mit Gewissheit sagen, ob es ein abgekartetes Spiel war, aber zutrauen würde ich es dem mächtigsten Mann der Welt zu diesem Zeitpunkt, dem Habsburger Karl V., in dessen Reich die Sonne niemals unterging, wie es so schön hieß.
Karl war schon ein Grande.
Karl wird auch gedacht haben, Dir zeige ich es.
„You’ll better never fuck a fucker“, hagelte es bestimmt in seinem Hirn, und das, obwohl er kein Englisch sprach.
Wie kommt man aus so einer Nummer raus, dachte zeitgleich der schmollende Sickinger auf seiner Ebernburg. Na dann wenden wir uns doch einfach in unserer nächsten Fehde gegen einen, der die falsche Seite bei der Kaiserwahl unterstützt hat. Na und das kann doch niemand anders sein, als der Trierer Erzbischof, Richard von Greiffenklau.



Dessen Ländereien konnte man auch super von der Ebernburg aus erreichen. Einfach das Nahetal hoch, rechts abbiegen, kurz über den Hunsrück reiten und schon ist man da.
Aber vorher wurde Franz von Sickingen noch zum Anführer der südwestdeutschen Ritterschaft auf einem Treffen in Landau gewählt („Die Brüderliche Vereynigung“). Die Forschung verweist mittlerweile darauf, dass dieses Bündnis nichts mit der Fehde gegen Trier zu tun hatte. Die Ritter wollten hier eher inneradlige Streitigkeiten beilegen, um sich nicht der Reichsjustiz beugen zu müssen, na und Franz wurde aufgrund seiner Bekanntheit, Kompetenz und seiner Besitzungen Führer der Gemeinschaft.
1522 ging es dann im Spätsommer gegen Trier. Franz kam an der Spitze von ca. 7.500 bis 12.000 Bewaffneten; ungefähr 1.500 bis 2.000 Berittene. Das ist schon ne klasse Truppe in dieser Zeit.
Wie es sich halt für jemanden gehört, der denkt, er sei so etwas wie der Herr „Generalissimus“.
Blieskastel wurde am 31.8. eingenommen, St. Wendel am 3. September.  Sein weiterer Weg ging über Tholey, Grimburg und Saarburg nach Trier.
Franz hatte sogar Truppen aus Braunschweig und Lothringen angeworben, die aber sein Lager nicht erreichten, weil sich mittlerweile ein Bündnis gegen Franz zu bilden begann. Egal, dachte Franz. Wir beginnen jetzt mit dem Ding.
Die Beschießung und Belagerung von Trier am 9. September begonnen, wurde dann aber bereits ein paar Tage später, am 14. September abgebrochen. Franz war zu Ohren gekommen, dass sich der Feind näherte.
Unser Held erkannte sehr wohl die Tragweite. Dies wird dadurch bewiesen, dass Franz die Burgbesatzungen in Nanstein und auf der Ebernburg anwies die Pulvervorräte aufzustocken. Er ahnte schon, dass jetzt etwas kommen musste.
Denn immerhin hatten sich mittlerweile der Kurfürst von Trier, der Landgraf von Hessen und der Kurfürst von der Pfalz gegen ihn verbündet. Drei wichtige Herren im Südwesten des Reiches.
Tja; man sollte es sich halt nicht mit der ganzen Nachbarschaft verscherzen. So etwas sagt einem im Grunde schon der logische Menschenverstand.
Bevor die Koalition aber den Sickinger direkt angriff, bekamen erst einmal die Unterstützer einen auf die Mütze. So z.B. Hartmut von Cronberg. Der Mainzer Erzbischof musste auch mal wieder zahlen, diesmal aber, weil er auf Seiten von Franz stand.
Mainz bleibt Mainz; was soll man sagen.
Am 10. Oktober wurde dann mal wieder die Reichsacht gegen Franz ausgesprochen; zeitgleich erhielten 80 Ritter die Aufforderung sich von Franz loszusagen.
Dennoch; das nächste halbe Jahr versuchte man zu vermitteln. Das Reichsregiment (Vertreter der Reichsstände unter Führung des Kaisers bzw. seines Stellvertreters) und der Kurpfälzer suchten federführend nach Kompromissen mit dem „Generalissimus“. Der schmollte, hatte Gicht, und lag mürrisch in Eger in seinem Winterlager …
Äääähhh.
Tschuldigung.
Franz schmollte nur. Das andere war ja ungefähr 100 Jahre später. Verzeihung. Warum komme ich nur auf diese Parallelen? Tja warum frage ich mich.
Auch die Versuche von Franz neue Verbündete in Franken bzw. auf dem Städtetag in Speyer zu finden, fruchteten nicht.
Am 22. April machten die Fürsten ernst und begannen ihre Truppen zu sammeln. Am 24. April erreichten die Verbündeten Burg Nanstein bei Landstuhl.



Mit nur 20 Rittern und 80 Fußkämpfern versuchte unser Held den verbündeten Heeren des Erzbischofs von Trier, des Kurfürsten von der Pfalz und des hessischen Landgrafen in seiner Burg zu trotzen.
Die waren aber mit genügend Männern und vor allem Artillerie angerückt, deren Beschuss die erst neu befestigte Burg aber nicht standhalten konnte.
Der Mörtel war zu frisch.
600 Kanonenschüsse sollen es am ersten Tag gewesen sein.Sogar "der Greif" war dabei, eines der bekanntesten mittelalterlichen Rohre, so etwas wie ein Marschflugkörper der Renaissancezeit.
Franz wurde verwundet, empfing noch im Sterben seine Gegner – das berichtet der Reichsherold Caspar Sturm, na und ein Herold ist ja so etwas wie der Pressesprecher des Kaisers, und somit natürlich absolut seriös und beim Wort zu nehmen; ein übler Mensch, der anderes denkt.
Was ein edler Ritter. Was edle Gegner.
Ich glaube ja, sie wollten sich wirklich nur persönlich vergewissern, ob der Spuk jetzt endlich mal ein Ende hat, und man im Nachgang mit dem Rittertum endgültig aufräumen konnte: Der Fürsten wollten mächtiger werden.
Es gab nun neue Sheriffs in der Stadt.
Die anderen Burgen des Sickingers kapitulierten. Ganz Sickingerland? Nein; ein kleines gallisches Dorf ...
Ähhh. Sorry.
Die Ebernburg – die Burg aus meiner Nachbarschaft (nur ein Hügel liegt zwischen uns) und Stammsitz von Franz - natürlich erst nach zehntägiger Belagerung und Beschuss. Ja so sind wir.
So schnell geben ich und meine Nachbarn nicht auf.
(„Adler geben niemals auf. Adler geben niemals auf. Adler geben niemals auf. SIE KÄMPFEN !“ Sorry. Warum bin ich jetzt wieder in meinem Eishockey Block? Keine Ahnung.)



Ist das Leben von Franz nicht wie eine wunderbare Geschichte aus einem Roman? Das hat doch was. Deshalb fiel mein Bericht jetzt auch länger aus. Ich musste Euch einfach die Moritaten seiner Fehden näherbringen.
Genauer, seriöser, könnt Ihr das natürlich auch in dem oben bereits zitierten Ausstellungskatalog nachlesen, der hier neben diversen Internetrecherchen meine Hauptquelle war.
Denn auch die Fehden, die Belagerung von Nanstein, die Koalition, der er sich gegenüber sah, waren Bestandteil der Ausstellung in Mainz. Natürlich auch die Rezeption des Todes von Franz durch die Nachwelt. Was es da für Gemälde zu gibt. Herrlich!!








Eine wirklich interessante Geschichte.
Na und nach meiner Meinung zu wenig bekannt.
Weil ..., ja vielleicht weil man nicht fotografieren kann. Weil man eben nicht wie ein Moritatenerzähler auf die Bildchen zeigen kann, um die Geschichte des Helden zu verkünden.
Nichts mit höret, höret, höret.
Pah.
Auf die Finger wird man in Museen geklopft.
Pah.
Vor meinem geistigen Auge materialisiert sich da schon eine Historienserie im Stil der Borgia oder der Tudor Verfilmungen der letzten Jahre. Viel Sex and Crime. Nur bitte keine Wanderhure und Mittelaltermarkt Tanderadeien. Bitte nicht.
Schaut man sich die Presseberichte zur Ausstellung an, so wird vor allem auf eines verwiesen. Dass wir in dieser Zeit nicht mehr vom unbeweglichen Ritter sprechen können, der einmal vom Pferd gehoben, sich nicht mehr bewegen kann. Nein. Zu diesem Zeitpunkt hat die Rüstung quasi einen Hightech Grad erreicht. Es handelt sich um Spezialanfertigungen, die speziell auf ihre Träger gearbeitet waren, mit extrem dünnen und feinen Platten, die durchaus die Beweglichkeit nicht so einschränkten, wie landläufig immer noch behauptet wird.
Eine Rüstung war auch nicht schwerer, als das moderne Equipment eines Soldaten.
Das gezeigte Exponat des Landgrafen von Hessen räumt auch mit einem weiteren Vorurteil auf.
Nicht alle Menschen des Mittelalters waren klein. Die Rüstung zeigt, dass der Landgraf ein Mann von 1,87 cm war.
Na und seine Rüstung zeigt auch Schrammen auf, die eindeutig auf Kämpfe zurückzuführen sind.

http://www.landesmuseum-mainz.de/ausstellungen/ausstellungsarchiv/ritter-tod-teufel/presseschau/

Soviel zur Ausstellung.
Einen Buchtip habe ich ja bereits oben abgegeben.
Wer gerne einmal die historischen Stätten der Sickinger Fehden besuchen will, dem sei dieses Buch hier ans Herz gelegt.






Ein historischer Reise- und  Wanderführer. Na schon das Titelbild lohnt sich: Ein wunderschöner Blick auf unsere und Franzens Ebernburg. Was will man mehr.
Ich habe mir das Buch natürlich noch in Mainz gekauft. Nicht, weil ich nicht fotografieren durfte, sondern weil ich solche historischen Reiseführer einfach mag.
Na und ich denke, dass mich mein Projekt Franz von Sickingen noch an einige Orte aus dieser Publikation führen wird.
Schade halt nur, dass ich Euch nicht mehr zeigen kann. Aber bitte beschwert Euch nicht bei mir, sondern bei den Verantwortlichen.
Bücher sind toll, und der Ausstellungskatalog gibt durchaus das wieder, was auch auf der Ausstellung zu sehen war. Na und das wissenschaftlich ausgearbeitet und versiert.
Aber geht es Euch nicht auch so? Ausstellungskataloge sind, wenn man die Ausstellung nicht selbst besucht hat, irgendwie kein Fisch und kein Fleisch. Es gelingt halt nicht den Eindruck der Originalexponate, die Stimmung in den Räumen wiederzugeben.
Das war z.B. in Mainz richtig toll gelöst. Mein Lob an die Techniker des Hauses, die nach meiner Meinung eine richtig gute Arbeit bei der Ausleuchtung und der in Szene Setzung der Ausstellungsstücke abgegeben hatten.



Die zwei Rüstungen im Zweikampf waren dermaßen perfekt durch das Licht hervorgehoben, dass ich sehr lange da stand und das Bild auf mich wirken ließ.




Zwei Krieger im todbringenden Boxkampf. Wirklich klasse.
Mein nächster Bericht zu Franz wird sich dann mit den Miniaturen befassen, die ich für dieses Projekt verwenden werde.
Na und Ihr werdet Euch wundern, denn da wird nicht alles historisch sein.

Kommentare:

  1. Herrlich lesbar !!! ICH WILL ENDLICH DEINEN ROMAN !!

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  2. Danke Jens. Du hast recht. Ich sollte mich anstrengen. Hmhm.😁😁 Ich suche einen Sponsor. Vielleicht klappt es ja mit Hilfe des Blog.😀

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