Freitag, 14. August 2015

Wehrgeschichtliches Museum in Rastatt

Heute nun der abschließende Teil unserer Tour ins Elsaß und die nähere Umgebung.

Teil 3: Wehrgeschichtliches Museum in Rastatt

Am Abreisetag sonntags nahmen wir noch das o.g. Museum in Rastatt mit.



Leute, macht es nicht so, wie wir das gemacht haben. Fahrt niemals, NIEMALS, unter Zeitdruck in dieses Museum.
Nehmt es nicht auf einer Studienreise mit, auf der Ihr vorher viel Krach, Bumm und Technik gesehen habt. Das passt irgendwie nicht. Alleine schon von der Thematik.
Fügt Rastatt lieber in eine Barockreise ein. In eine Reise, die Euch zunächst nach Bruchsal, danach nach Karlsruhe, dann nach Rastatt und auf der Heimreise noch nach Ludwigsburg führt.
4 Tage Barock pur; und Ihre werdet begeistert sein.
Ein Besuch in Rastatt lohnt sich nämlich auf jeden Fall, wenn man zum einen das Barockschloß des Türkenlouis besichtigt. Immerhin handelt es sich ja um das älteste Barockschloß im Rheintal.
Der Rundgang dauert aber schon alleine mehr als eine Stunde.
Die Ausstellung im HGM wirkt – wie soll ich es vorsichtig ausdrücken – etwas chaotisch. Vollgestopft mit Infos, hetzt man halt irgendwann durch die Räume und nimmt die Informationen nicht wirklich komplett auf.
Also bitte nicht unter Zeitdruck. Ich kenne das Museum nämlich seit ein paar Jahren und habe einmal die kombinierte Eintrittskarte wirklich genutzt. Na und was soll ich sagen: Damals hatte mich der Besuch überzeugt. Diesmal nicht.
Also immer beides – ist eh ein Kombiticket und man bezahlt nicht mehr. Es sei denn, man ist Spezialist und man sucht z.B. wie ich bei diesem Besuch ein Spezialthema aus, dem man sich längere Zeit widmen möchte.
So wie ich für die Schlacht bei Slankamen.
Wie sichs gehört, empfängt den Besucher zunächst die Büste Markgraf Wilhelms von Baden, des berühmten Türkenlouis.



Generalleutnant der kaiserlichen Truppen und Feldherr in den Türkenkriegen. Auf Schautafeln wird die Bedeutung der Markgrafschaft sowie der späteren Länder in Baden und in Württemberg erklärt.


Vorbei an Waffen und einem tollen Bild zur Belagerung von Philippsburg im Jahr 1676 kommt man in einen Raum, wo Beute aus den Türkenkriegen ausgestellt ist.




Die Revue der kurhannoverschen Armee bei Bemerode im Jahr 1735 ist auf einem Großgemälde dargestellt. 




Die Vitrinen im Bereich der Napoleonik bergen Uniformen, Waffen, Helme, Patronentaschen etc. und geben ein anschauliches Bild über die Uniformierung der badischen, bzw. württembergischen Truppen in der napoleonischen Zeit.







Standarte, Helm und Säbeltasche des Badischen Garde du Corps machen da auch wirklich was her.



Aber auch ein preußischer Kürass und ein Tschako der Fürstlich Primatischen Truppen aus Frankfurt finden sich.



Vorbei geht es an Stichen von Faber du Faur und einer Bilderserie der badischen Armee von Wilhelm von Traitteur.




Weiter dann in einen Raum mit Rüstungen vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit.





Als Fan von Morion und Birnenhelmen gefällt mir dieses Bild im Grunde am besten.


Sehr schön auch die Replik der frühbadischen Uniform aus dem frühen 18. Jhd. Hier erkennt man auch sehr gut das österreichische Weiß des Uniformrocks, der in Wirklichkeit cremefarben ist.


Ein weiteres Schätzchen des Museum ist das Fernglas des französischen Marschalls Turenne.


Hier eine Großaufnahme des Dioramas zur Schlacht bei Slankamen 1691. Darüber werde ich allerdings einen separaten Bericht schreiben.


Vorbei an Exponaten der preußischen Armee des siebenjährigen Kriegs


ging es dann in die Zwischengeschosse des Museum, die sich mit Uniformabzeichen und Reservistentraditionen befassen.





Im nächsten Raum ging es dann wieder zu Napoleon zurück. Hier hingen einige Gemälde zu den Befreiungskriegen.




Uniformen und Pickelhauben aus der Zeit des Deutschen Bundes finden sich dann ebenso wie ein großes Modell der Festung Rastatt.





An Gemälden zu den Einheitskriegen vorbei, führt es dann den Besucher zur Abteilung Erster Weltkrieg.






Hier sind dann wirklich sehr viele Uniformen, Helme und Waffen ausgestellt.
Ohne Frage auch drei meiner Lieblingsmodelle: Südwester, Kolonialhelm und weiße Pickelhaube.
Was soll ich sagen.



Ich bin kein Museumspädagoge, aber ich habe Geschichte studiert. Durch meinen Beruf habe ich aber auch sehr viel mit jungen, technisch affinen Leuten zu tun.
Na und da muss ich doch sagen, dass das Museum in Rastatt hier einige Chancen verpasst. Das Museum war sicherlich in den 80er und 90er Jahren ein Highlight.
Mittlerweile wird es aber doch von vielen anderen Militärmuseen getoppt.
Das Hauptproblem sehe ich darin, dass das Museum in den ersten Räumen irgendwie fest konzeptioniert zu sein scheint. Die Räume kenne ich seit Jahren unverändert. Vitrinen, Exponate, Beschriftungen. Fertig.
Das wirkt allerdings doch etwas altbacken.
Die Räume, die sich mit Uniformabzeichen und Reservistentradition befassen sind sehr speziell. Da kann ich wenig dazu sagen. Es ist eine sehr große Sammlung, daher schätzungsweise ihre Bedeutung. Aber mit diesen beiden Themen beschäftigen sich halt auch nur Spezialisten.
Eine Chance vertan, wird dann in den spärlich eingerichteten Räumen im Obergeschoß. Da beginnt dann wieder irgendwie die Napoleonik, aber auch irgendwie halbherzig. Mittendrin dann das Stadtmodell, das zur Geschichte Rastatts in der Zeit des Deutschen Bundes überleiten soll.
Die Exponate zur Deutschen Bund Zeit sind wirklich gut, aber irgendwie wirkt das alles zusammenhanglos.
Mir fehlen da auch Tafeln; Erklärungen. Konzeptionelle Erläuterungen.
Warum werden die Einigungskriege nur mit Bildern erfasst? Da schlummern sicher noch andere Exponate im Keller.
Wenn man dann in der Ausstellung zum I. Weltkrieg ankommt, ist man schon genervt, na und irgendwie sieht das auch alles aus wie in einem Kaufhaus in der Klamottenabteilung. Richtig viele Uniformen und Helme bis ins oberste Essgefach gestapelt.



Aber wo sind da jetzt die Erklärungen? Warum wird das so gezeigt?
Ich weiß es nicht.
Na und zum Abschluss erklärt mir mal bitte dieses Bild:


Cool oder.
Oben im Zwischengeschoss des Museums werden zwar in der Rangabzeichenabteilung alle möglichen Sachen gezeigt, auch der Wehrmacht und der Waffen SS, aber in dieser Schautafel fehlt dann einfach mal das Dritte Reich.
Warum denn bitte schön? Verschweigt man da was? Warum ist das so? Wollte man das damals, als diese Schautafel gefertigt wurde, bewusst ausgrenzen?
Ich habe da ja davor gestanden und gemeint, dass das Ding da schon ein Teil der Geschichte selbst ist. Irgendwo wohl in den 70er oder 80er Jahren entstanden, spiegelt das einen merkwürdigen Zeitgeist wieder. Zumal ja auch die Ränge der NVA fehlen.
So etwas gehört abgehangen und in einen Raum gebracht, der sich mit dem Selbstverständnis der Bundeswehr vor der Wiedervereinigung auseinandersetzt, oder man nagelt halt einen Kommentar daran, warum das so ist und erklärt es.
So hängt ein riesiges, unvollständiges und somit falsches Relikt in einem Museum.
Jetzt könnte man mir vorwerfen, dass ich die Ausstellung nicht verstanden habe. Richtig. Tue ich auch nicht.
Welche Botschaft will dieses Museum denn in das 21. Jahrhundert tragen? Ich weiß da nicht wirklich eine Antwort drauf.
Wohlgemerkt: Mein dritter Besuch in diesem Museum in einem Zeitraum von 8 Jahren.
Wie gesagt: Mit Schloss. Ja. Ohne Schloss. Nein.
Bei mir bleibt jedesmal ein ungutes Gefühl über.
Na und ich bin mir sicher, dass man da mehr rausholen könnte.
Aber wir lassen uns nicht unsere Laune verderben. Also liebe Leser bis zum nächsten Mal.

Kommentare:

  1. Wieder ein toller Bericht Koppi. Das Museum steht schon lange auf meiner Liste...ich komme aber leider nur selten in den Süden. Bin jetzt natürlich auf das Diorama gespannt :-)

    Viele Grüße
    Frank

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  2. Hi Frank,

    danke für Deinen Kommentar. Dann bin ich ja mal gespannt, wie Du es werten wirst, wenn Du mal vorbeikommst.
    Der Bericht zum Dio ist für Oktober geplant.

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